Todesschütze von Florida Der Gewaltausbruch des Nikolas Cruz

Mit einem Gewehr feuerte Nikolas Cruz in Florida auf Dutzende Schüler und Lehrer, 17 Menschen starben. Wer ist der 19-Jährige - und wieso nahm ihm trotz bedenklicher Anzeichen niemand seine Waffen?

Twitter/@Melody_Ball

Er hatte sich akribisch vorbereitet. Als Nikolas Cruz gegen 14.40 Uhr am Valentinstag die Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland betrat, trug er eine Gasmaske und hatte eine halbautomatische AR-15 sowie große Mengen Munition bei sich. Dann warf er Rauchbomben um sich und löste den Feueralarm der Schule aus. Als Lehrer und Schüler die Klassenräume verließen, schoss er auf sie.

So weit lässt sich die Tat des 19-Jährigen anhand von Zeugenaussagen und Behördenmitteilungen rekonstruieren. Viele Fakten sind bekannt: Binnen weniger Minuten tötete Cruz 17 Menschen und verletzte 15 weitere teilweise schwer, die meisten der Opfer sind Schüler (mehr dazu lesen Sie hier). Auf eine Frage jedoch gibt es bislang keine Antwort: Warum entschloss sich Cruz zu diesem Verbrechen?

Einiges deutet darauf hin, dass Frust und Aggressivität eine Rolle spielten. Ehemalige Mitschüler des Täters berichteten, Cruz sei ein Waffennarr, der in sozialen Netzwerken immer wieder zusammenhanglose Drohungen ausgesprochen habe. Erst vor wenigen Monaten kündigte er angeblich auf YouTube an, Menschen zu töten.

Nikolas Cruz
AFP/ Broward County Sheriffs Office

Nikolas Cruz

Ist Nikolas Cruz ein hasserfüllter Mörder? Ein Verwirrter? Beides?

Festgelegt hat sich der US-Präsident: Vieles deute auf eine psychische Störung hin, twitterte Donald Trump. Cruz sei wegen schlechten Benehmens von der Schule geflogen - und in Parkland hätten viele gewusst, dass der junge Mann "ein großes Problem" sei.

Mag sein, dass Trump recht hat. Gut möglich ist aber auch, dass Trump damit vor allem von der erneut aufkommenden Debatte über das äußerst liberale US-Waffenrecht ablenken will. Wenn Cruz verwirrt oder labil ist, warum etwa plante er seine Tat so akribisch - inklusive der eigenen Flucht?

Nachdem er auf seine Opfer geschossen hatte, versuchte Cruz, im Chaos zwischen anderen Schülern unerkannt aus der Schule zu fliehen. Wie viele der Teenager kam er zunächst in ein Krankenhaus, erst eine Stunde nach der Tat fassten ihn Polizisten - knapp drei Kilometer vom Tatort entfernt. Cruz, der sich nun wegen 17-fachen Mordes verantworten soll, leistete bei der Festnahme keinerlei Widerstand.

SPIEGEL ONLINE (Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL); Foto: Google Earth)

Wie wurde der Schüler zum Todesschützen? Im Internet kursierende Videos von der Festnahme zeigen einen schlanken Teenager mit rotem Polohemd und Kurzhaarfrisur. Medienberichten zufolge hatte er eine unstete Kindheit und Jugend, er und sein Bruder sollen als Waisenkinder von einem Paar adoptiert worden sein.

Der Mann starb demnach schon vor Jahren, die Adoptivmutter vor drei Monaten. Die beiden Jungen zogen laut einem Anwalt der Familie daraufhin zu einem Freund der Adoptiveltern. Kurz darauf erlitt Cruz einen weiteren Rückschlag: Die Leitung seiner High School verwies ihn der Schule - laut Sheriff Scott Israel aus disziplinarischen Gründen.

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US-Bundesstaat Florida: Schüsse an der Marjory Stoneman Douglas High School

An der Schule hatte der 19-Jährige an einem Ausbildungsprogramm des US-Militärs teilgenommen, wie ein früherer Mitschüler sagte. Cruz habe immerzu über Schusswaffen, Messer und Jagd gesprochen, sagte ein früherer Klassenkamerad namens Joshua dem "Miami Herald". "Er wirkte wie die Sorte Jugendlicher, die so etwas tun würde."

Das passt zu den vielen Berichten anderer Schüler und Angestellter, die Cruz als Einzelgänger mit einem Faible für Schusswaffen und Messer beschrieben. Ein Jugendlicher sagte dem "Miami Herald", Cruz sei bereits im vergangenen Jahr bestraft worden, weil er mit Munition zur Schule gekommen sei.

Der Mathematiklehrer Jim Gard schilderte der Zeitung, Cruz sei seit Längerem als potenzielle Gefahr für seine Mitschüler im Gespräch gewesen. Die Schulleitung habe vor einiger Zeit in einer Mail darüber informiert, dass Cruz andere Teenager bedroht habe: "Uns wurde im vergangenen Jahr gesagt, dass er den Campus nicht mehr mit einem Rucksack betreten durfte", sagte Gard.

Augenscheinlich war also bekannt, dass von Nikolas Cruz potenziell eine Gefahr ausging. Waren der Tod seiner Adoptivmutter und der Rauswurf an der Schule die Auslöser für seine Bluttat? Das, sagte Sheriff Israel, müssten die Ermittlungen nun zeigen.

Unstrittig ist in diesem Fall zumindest eins: Die Tatwaffe hatte Cruz ganz legal gekauft und ordnungsgemäß in einem Waffenschrank deponiert.

mxw/Reuters

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