Flüchtiger Schwerverbrecher Polizei richtet Aufgabe-Appell an Michalski

Knapp 64 Stunden hielten die hochgefährlichen Ausbrecher der JVA Aachen Fahnder und Bevölkerung in Atem, dann wurde Michael Heckhoff von einem SEK-Team überwältigt. Nun fordert die Polizei den noch flüchtigen Peter Michalski dazu auf, sich zu stellen.

AP/ Polizei Aachen

Mülheim/Hamburg/Berlin - Als sich das Fahndungsnetz immer enger zugezogen hatte, fassten Heckhoff und Michalski offenbar den Plan, sich zu trennen. Hätten sie es nicht getan, säßen vielleicht beide Schwerverbrecher wieder in Haft. So wurde der 50-jährige Heckhoff gefasst, Michalski jedoch ist weiterhin auf der Flucht.

Am Sonntagabend richtete die Polizei einen Appell an Michalski: "Beenden Sie Ihre Flucht, bevor Menschen zu Schaden kommen." Die letzten Tage hätten gezeigt, so ein Polizei-Sprecher zu SPIEGEL ONLINE, dass es dem Gesuchten nicht darum gehe, Menschen zu schaden. Die Fahnder forderten Michalski auf, seine Flucht gewaltfrei zu beenden und sich zu stellen.

Berichte, wonach sich Michalski im Raum Düsseldorf aufhalten soll, wollten die Ermittler nicht kommentieren. "Zu diesen Spekulationen halten wir uns aus ermittlungstaktischen Gründen ganz bewusst zurück", erklärte ein Polizeisprecher gegenüber SPIEGEL ONLINE. Zu Erkenntnissen, wonach der 46-Jährige in Mülheim an der Ruhr an einer Haustür geklingelt und eine Bewohnerin als Geisel genommen habe, wollte er nichts sagen.

Passanten hatten am Sonntag um 10.15 Uhr den Fluchtwagen, mit dem die beiden Ausbrecher stundenlang durchs Ruhrgebiet fuhren, in einer Seitenstraße in Mülheim entdeckt. Hier wurde Heckhoff, dessen Fahndungsbild einen scheinbar harmlos wirkenden, grinsenden Schwerverbrecher zeigt, 1959 geboren. Um 11.03 Uhr konnte er in der Innenstadt von einem Spezialeinsatzkommando überwältigt werden.

Aus Versehen einen Unbeteiligten festgenommen

Weder Heckhoff noch einer der Beamten wurden nach Polizeiangaben verletzt. Der korpulente 50-Jährige trug eine Schusswaffe und Munition bei sich. Details zur Festnahme gaben die Fahnder nicht bekannt. "Solange wir den zweiten Mann nicht haben, halten wir uns mit Einzelheiten zurück", so ein Sprecher. "Wir möchten das Risiko eines zweiten Geiseldramas von Gladbeck mit allen Mitteln verhindern."

Am Nachmittag kam es bei der Fahndung zu einer Panne: Ein Mann war mit dem noch Flüchtigen verwechselt worden. Wegen seiner großen Ähnlichkeit mit dem entflohenen Mörder wurde er kurzzeitig festgenommen. Die Suche nach Michalski gestalte sich schwierig, erklärte ein Polizist, weil unklar sei, wie er sich fortbewege. "Wir wissen einfach nicht, wie er unterwegs ist."

Mit Hochdruck werde nach Michalski gesucht. "Wir hoffen schwer, auch ihn bald zu schnappen." Der 46-Jährige ist ein verurteilter Mörder und besonders gewalttätiger Mehrfachtäter. Er verbüßte laut NRW-Justizministerium bereits als Heranwachsender eine Jugendstrafe. 1985 wurde er entlassen, drei Jahre später aber schon wieder festgenommen. 1988 verurteilten ihn die Richter zu sieben Jahren und sechs Monaten Haft, unter anderem wegen schweren Raubes.

1993 erschoss Michalski im Hafturlaub einen Mittäter - und erhielt dafür eine lebenslange Haftstrafe. Das Bielefelder Landgericht stellte im März 1995 die besondere Schwere der Schuld fest. Damit war eine Überprüfung der Haftstrafe nach 15 Jahren für den gebürtigen Herforder blockiert. Anfang 2006 war er von der JVA Wuppertal nach Aachen verlegt worden, dort gelang ihm der Ausbruch.

Zwischenzeitlich wurden die Ausbrecher im Ausland vermutet

Am Samstag hatten Heckhoff und Michalski ein Ehepaar in Essen in ihre Gewalt gebracht und deren schwarzen BMW der 5er-Reihe als Fluchtwagen verwendet. Nachdem der Ehemann die beiden Verbrecher stundenlang durch das Ruhrgebiet fahren musste, ließen sie ihn in einem Mülheimer Waldgebiet schließlich frei.

Um eine Flucht der beiden nach Belgien oder in die Niederlande zu verhindern, kontrollierten Bundes- und Landespolizei an ausgewählten Stellen den grenznahen Verkehr.

Heckhoff und Michalski waren am Donnerstagabend aus dem Gefängnis in Aachen ausgebrochen. Sie hatten fünf schwere, verschlossene Türen der bisher als ausbruchsicher geltenden Haftanstalt mit einem Schlüssel geöffnet. Dabei hatten sie anscheinend fachkundige Hilfe: Ein Bediensteter der Justizvollzugsanstalt Aachen soll die Gefangenen "vorsätzlich aus der JVA herausgeschleust und mit schussbereiten Dienstwaffen nebst Munition ausgestattet haben", wie das Düsseldorfer Justizministerium mitteilte.

Der 40 Jahre alte Mann wurde am Freitag festgenommen, am Samstag erließ ein Richter Haftbefehl. Zur Sache habe der Beschuldigte nichts ausgesagt.

Nach ihrem Ausbruch verschwanden die Gewaltverbrecher mit einem nach ersten Erkenntnissen zufällig vorbeikommenden Taxi nach Kerpen und stiegen dort mitsamt dem Fahrer in ein zweites Taxi um, das sie nach Köln brachte. Dort verlor sich auf dem Bahnhofsplatz ihre Spur. Am Freitagnachmittag zwangen Michalski und Heckhoff eine 19 Jahre alte Schülerin, sie mit ihrem Wagen nach Essen zu bringen. Als der Tank leer war, flüchteten die beiden zunächst zu Fuß weiter.

jjc/otr

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insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
saul7 29.11.2009
1. Es
Zitat von sysopKnapp 64 Stunden hielten die hochgefährlichen Ausbrecher der JVA Aachen Fahnder und Bevölkerung in Atem, dann wurde Michael Heckhoff von einem SEK-Team überwältigt. Nun hofft die Polizei auf eine baldige Festnahme seines Komplizen Peter Michalski. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,664112,00.html
ist erfreulich, dass dieser Schwerverbrecher nun gefasst wurde und in den Knast zurückgebracht wird. Seien wir froh, dass sich nicht ein Szenario entwickelt hat wie damals in Gladbach, als die Journalisten einen so traurigen Auftritt mit ihrer Berichterstattung boten.
sagenhaft 29.11.2009
2. Viele Fragen
Zitat von sysopKnapp 64 Stunden hielten die hochgefährlichen Ausbrecher der JVA Aachen Fahnder und Bevölkerung in Atem, dann wurde Michael Heckhoff von einem SEK-Team überwältigt. Nun hofft die Polizei auf eine baldige Festnahme seines Komplizen Peter Michalski. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,664112,00.html
Als Frau glaube ich nicht mehr daß der Polizei allzuviel Glauben geschenkt werden muß :cry Wird bei Youtube und anderswo ja nonstop gezeigt wie die sich auf Unschuldige stürzen . Dem Bericht folgend scheint es diesmal genauso zu sein :cry Sicher ist doch eigentlich nur , dank tatkräftiger Mithilfe einiger Beamter bei der Vorbereitung nun eine ziemliche Show abziehen zu dürfen und inwieweit ein Drehbuch dahintersteht , wenn pausenlose Geiselnahmen alle Opfer in den Händen von sogenannten Schwerverbrechern überleben , könnte auch noch offen sein - war in der U-Bahn heute zu hören .
jellicoe 29.11.2009
3. Was
zum Henker motiviert bloß einen Justizbeamten die beiden nicht nur rauszulassen, sondern sie auch noch zu bewaffnen?? Das konnte der doch nicht im Ernst denken dass er damit durchkommt. Und was haben sie ihm geboten? Geld? Woher haben sie das? Schräge Geschichte, gut dass es soweit glimpflich abgegangen zu sein scheint, abgesehen von den sicher nicht unbeträchtlichen psychischen Schäden, die die Geiseln jetzt weghaben.
Wolf_68, 29.11.2009
4. Ort.
Zitat von saul7ist erfreulich, dass dieser Schwerverbrecher nun gefasst wurde und in den Knast zurückgebracht wird. Seien wir froh, dass sich nicht ein Szenario entwickelt hat wie damals in Gladbach, als die Journalisten einen so traurigen Auftritt mit ihrer Berichterstattung boten.
Es fand in Gladbeck statt.
john mcclane, 29.11.2009
5.
Zitat von sagenhaftAls Frau glaube ich nicht mehr daß der Polizei allzuviel Glauben geschenkt werden muß :cry Wird bei Youtube und anderswo ja nonstop gezeigt wie die sich auf Unschuldige stürzen . Dem Bericht folgend scheint es diesmal genauso zu sein :cry Sicher ist doch eigentlich nur , dank tatkräftiger Mithilfe einiger Beamter bei der Vorbereitung nun eine ziemliche Show abziehen zu dürfen und inwieweit ein Drehbuch dahintersteht , wenn pausenlose Geiselnahmen alle Opfer in den Händen von sogenannten Schwerverbrechern überleben , könnte auch noch offen sein - war in der U-Bahn heute zu hören .
Aha, sie glauben also, das der ganze Zirkus inszeniert ist, damit sich die SEKs und die Einsatzhundertschaften nicht langweilen? Selten einen größeren Bockmist gelesen hier. Die Opfer von Geiselnahmen kommen also immer mit dem Schrecken davon, so so. Googlen Sie doch mal "Gladbeck". Man man man, bei manchen Leuten fragt man sich wirklich, in welchem Kino die gerade sitzen...
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