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Flüchtlinge: Polizei gelingt Schlag gegen Geisterschiff-Schleuser

AP/ Bundespolizei

Hunderte Polizisten haben eine Razzia gegen Schleuser in Deutschland und der Türkei durchgeführt. Die Banden sollen Flüchtlinge in schrottreifen Schiffen über das Mittelmeer geschickt haben. Auch die GSG 9 war an dem Einsatz beteiligt.

Deutsche und türkische Ermittler haben bei einem gemeinsamen Großeinsatz einen Schleuserring zerschlagen, der mehr als 1700 Migranten in schrottreifen Schiffen über das Mittelmeer geschmuggelt haben soll.

In Deutschland seien fünf, in der Türkei zehn Personen festgenommen worden, teilten der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, und der Leiter der türkischen Generaldirektion, Mehmet Lekesiz, auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Potsdam mit.

Fast 500 Beamte der Bundespolizei durchsuchten demnach 16 Wohnungen und einen Geschäftsraum in sechs Bundesländern. Die Eliteeinheiten GSG 9 und laut dpa auch die BFE+ waren ebenfalls an dem Einsatz beteiligt. Schwerpunkte der Aktion seien Berlin und Hannover gewesen. Bei den Festgenommenen soll es sich fast ausnahmslos um Syrer handeln.

Hintergrund der Aktion sind einjährige Fahndungen nach den Organisatoren sogenannter Geisterschiff-Aktionen. Dreimal sollen die Schlepper Ende 2014 Migranten gegen Zahlung von 4500 bis 6000 US-Dollar in Frachtschiffen transportiert haben. Dabei gingen sie jedes Mal auf See von Bord und ließen das Schiff führungslos.

"Wir haben es hier mit einer menschenverachtenden internationalen Form organisierter Kriminalität zu tun", sagte Bundespolizeichef Romann. Er sprach von skrupellosen Schleppern, die bewusst den Tod der Menschen in Kauf nähmen.

Ein Vertreter der Staatsanwaltschaft Dresden sagte, möglich sei eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Mit den Geisterschiffen sollen vor allem Syrer in die EU gebracht worden sein. 250 von ihnen wurden den Ermittlern zufolge in Deutschland befragt.

Die türkische Polizei war parallel zur Bundespolizei unter anderem in Istanbul, Izmir und der Hafenstadt Mersin im Einsatz. Dort soll auch einer der Drahtzieher festgenommen worden sein.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) lobte die Zusammenarbeit als beispielhaft: "Nur durch ein ganzheitliches und internationales Vorgehen können wir dem menschenverachtenden Treiben der Schlepperbanden ein Ende setzen." Der türkische Gouverneur Mehmet Cemalettin Lekesiz sagte: "Ich glaube daran, dass diese Operation eine strenge und klare Botschaft an die Organisationen sein wird, die aus dem Bürgerkrieg und dem menschlichen Drama im Nahen Osten zu profitieren versuchen."

Der türkische Ermittler Lekesiz sagte, auch die Extremistenmiliz IS und die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK seien in die Schleuseraktivitäten verstrickt. Er setze auf eine weiterhin enge deutsch-türkische Zusammenarbeit. Die Türkei habe in den vergangenen Jahren bereits 1150 Personen im Zusammenhang mit Schlepperbanden festgenommen. Man habe 17 Geisterschiffe aufgegriffen.

SPIEGEL TV-Reportage

hut/Reuters/dpa/AFP

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