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Brandanschlag auf Flüchtlingsheim: Das Entsetzen von Vorra

"Abscheulich, erschreckend, schändlich": Der Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim im bayerischen Vorra erschüttert Einwohner und Politik. Polizei und Staatsschutz ermitteln derweil im rechtsextremen Milieu.

Vorra - Wer immer die Brandsätze in die noch unbewohnten Flüchtlingsunterkünfte geworfen hat, ließ keine Zweifel an seinen Motiven: "Kein Asylat in Vorra" war auf der frisch verputzten weißen Wand eines Scheunenanbaus in dem mittelfränkischen Ort zu lesen. Mit rot-brauner Farbe hat jemand die Parolen aufgesprüht, daneben zwei Hakenkreuze.

Der Brandanschlag löste in ganz Deutschland Entsetzen aus. Für die Polizei gibt es kaum Zweifel am rechtsextremen Hintergrund der Taten in dem beliebten Ausflugsort. Der Staatsschutz ermittelt.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer verurteilte die Tat als schändlich und forderte einen besseren Schutz für derartige Gebäude. "Für Rechtsradikalismus gibt es in Bayern keinen Boden." Er setze sehr darauf, dass die Tat aufgeklärt werden könne. "Und gleichzeitig werden auch die Flüchtlingseinrichtungen in Bayern noch besser geschützt werden."

Sein Kollege Joachim Hermann sicherte Unterstützung zu: "Wir werden alles tun, um die Täter zu identifizieren", so der CSU-Innenminister im Bayerischen Rundfunk. Europaministerin Beate Merk (CSU) sagte: "Wir dulden keine Ausländerfeindlichkeit oder Gewalt gegen Flüchtlinge."

In Deutschland sei kein Platz für Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, sagte die Sprecherin der Bundesregierung. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) nannte die Taten "abscheulich". "Gewalt gegen Flüchtlinge werden wir nicht dulden", so der Minister. SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi zeigte sich "erschreckt und tief besorgt".

Rechtsextreme Clique am Waldrand

In Vorra selbst kann man sich den Brandanschlag nur schwer erklären. Der Bürgermeister der Gemeinde, Volker Herzog (SPD) sagte, dass es "keine rechten Umtriebe" in Vorra gebe. Er verwies auf die große Offenheit vieler Bürger gegenüber den erwarteten Ausländern. Erst am vorletzten Wochenende hätten sich viele Einwohner bei einem "Tag der offenen Tür" ein Bild von den frisch renovierten, fast bezugsfertigen Unterkünften gemacht.

An dem ehemaligen Gasthof im Ortszentrum ist in der oberen Etage Ruß an den Fensterrahmen zu erkennen. Die darüber liegenden Dachgauben hat das Feuer verkohlt. Eine Anwohnerin zeigte sich entsetzt von den Anschlägen: "Wir waren alle froh, dass das lange leerstehende Gebäude endlich mal hergerichtet wurde", sagte sie und zeigte auf die in zartem Beige verputzte Unterkunft mit dem hellroten Ziegeldach. Es habe im Ort keine Vorbehalte gegenüber Flüchtlingen gegeben. "Im Gegenteil. Wir haben uns schon auf die Ankunft der Flüchtlinge gefreut. Wir haben uns darauf vorbereitet, sie willkommen zu heißen."

Allerdings gebe es eine "Clique", die sich seit zwei oder drei Jahren in einem Wochenendhaus am Waldrand oberhalb von Vorra gelegentlich treffe und "dort ihre Lieder singt". Da es Hinweise gebe, dass sie dem rechtsextremen Spektrum angehöre, stehe die Gruppe seit längerer Zeit unter Beobachtung der Polizei, berichtete Herzog. Außer dass es "Auswärtige" seien und sie bisher im Ort eigentlich nicht besonders aufgefallen seien, wisse er nichts über sie.

Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt. Nach bisherigen Erkenntnissen sind die Täter am späten Donnerstagabend in die Gebäude eingedrungen und haben dort Feuer gelegt. Die Bewohner der Ortschaft wurden erst aufmerksam, als dichte Rauchwolken aus den Fenstern des Gasthofs und dem früheren Wohnhaus quollen.

gam/dpa

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