Flugkatastrophe: Richter eröffnen Berufungsprozess um Concorde-Absturz

Die Concorde war der Stolz Frankreichs - bis einer der Überschalljets im Juli 2000 abstürzte. Wegen der Schuld an dem Unglück war die US-Airline Continental zu einer Strafe von 200.000 Euro verurteilt worden. Nun wird der Fall erneut vor Gericht verhandelt.

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Continental-Anwalt Metzner: "Der Fall ist von Anfang an schief gelaufen"

Paris - Knapp zwölf Jahre nach dem Concorde-Absturz hat ein neuer Prozess zur die Schuldfrage begonnen. Ein Berufungsgericht in Versailles soll in den kommenden neun Wochen endgültig klären, wer die Verantwortung für das Flugzeugunglück trägt.

Bei dem Absturz des Überschalljets am 25. Juli 2000 waren 113 Menschen ums Leben gekommen - darunter 97 Deutsche. In einem ersten Verfahren hatte ein Gericht im Dezember 2010 die Schuld der US-Fluggesellschaft Continental Airlines festgestellt. Die französischen Richter bestätigten die These, dass die Concorde Feuer gefangen hatte, weil sie beim Start über eine Titan-Lamelle gerollt war, die von einer Continental-Maschine abgefallen war.

Die Lamelle zerstörte demnach einen Reifen, Gummiteile des Rades rissen ein Leck in einen Tank der Concorde. Die Richter verurteilten Continental Airlines zu einer Geldstrafe in Höhe von 200.000 Euro. Ein Mitarbeiter bekam 15 Monate Haft auf Bewährung wegen fahrlässiger Tötung.

Alle anderen Angeklagten wurden damals freigesprochen, darunter auch drei ehemalige Mitarbeiter der französischen Luftfahrtbehörde DGAC und des Concorde-Herstellers Aérospatiale. Ihnen war vorgeworfen worden, nicht vor möglichen Risiken des Flugzeugs gewarnt zu haben. In dem Berufungsprozess könnten sie nun doch verurteilt werden.

Continental beharrt darauf, dass die Concorde bereits vor dem Überfahren der Lamelle brannte. "Der Fall ist von Anfang an schief gelaufen", sagte Continental-Anwalt Olivier Metzner. Air France als Concorde-Betreiber hätte auf die Anklagebank gehört, forderte er. Der Anwalt will sechs Zeugen aufbieten, die damals für Air France arbeiteten und im ersten Prozess nicht angehört wurden. Das Verfahren habe damals "mehrere Defizite" aufgewiesen, so Metzner. Er hoffe, dass der Berufungsprozess auf einer "gesunderen Grundlage" stehen werde.

Continental versuche nur, die eigene Schuld auf Air France abzuwälzen, entgegnete der Anwalt der französischen Fluggesellschaft, Fernand Garnault.

Wie im ersten Prozess treten die Angehörigen von sechs deutschen Opfern formell als Nebenkläger auf, ohne allerdings im Gerichtssaal zu erscheinen. Die Hinterbliebenen wurden im Jahr nach dem Unglück abgefunden und verzichteten auf weitere Forderungen.

hut/dpa/AFP

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