Attacke im Flughafen Täter von Fort Lauderdale droht die Todesstrafe

Nach den tödlichen Schüssen im Flughafen von Fort Lauderdale in Florida gehen die Ermittler bisher von einer geplanten Tat aus. Die Vorwürfe gegen den Täter machen die Todesstrafe möglich.


Dem Todesschützen von Fort Lauderdale drohen die Todesstrafe oder lebenslange Haft. Die Staatsanwaltschaft habe mehrere Verfahren gegen den 26-jährigen Esteban Santiago eingeleitet, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf das Justizministerium. Santiago wird eine tödliche Gewalttat an einem Flughafen zur Last gelegt, wie Staatsanwalt Wifredo Ferrer am Samstag mitteilte.

Der Kriegsveteran, der von 2010 bis 2011 im Irak stationiert war, hatte am Freitag in der Gepäckabholung des Flughafens das Feuer eröffnet "und so lange auf die Köpfe seiner Opfer gezielt, bis er keine Munition mehr hatte", wie Ferrer sagte. Fünf Menschen wurden getötet und sechs weitere verletzt. Am Montag soll der Schütze erstmals einem Richter vorgeführt werden.

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Flughafen in Fort Lauderdale: Ex-Soldat erschoss fünf Menschen

Nach Angaben seiner Familie hat Santiago psychische Probleme. "Als er aus dem Irak kam, fühlte er sich nicht gut", sagte sein Onkel Hernan Rivera der Zeitung "The Record". "Es war, als ob er seinen Verstand verloren hatte", sagte seine Tante Maria Ruiz.

Das FBI berichtete von offenbar wirren Äußerungen Santiagos bei einem Besuch in einem Büro der Bundespolizei im November. Er soll eine Geschichte über die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) erzählt haben: Der Auslandsgeheimdienst CIA kontrolliere seine Gedanken und zwinge ihn, Videos des IS anzuschauen, behauptete Santiago. Er sei auch gezwungen worden, für den IS zu arbeiten.

Bei dem Besuch trug er Munition bei sich, eine Handfeuerwaffe lag in seinem Auto. In dem Wagen befand sich auch sein Kind, das erst vor Kurzem zur Welt gekommen war. Das FBI habe dann die Polizei informiert, die Santiago in die Psychiatrie gebracht habe, die Waffe wurde beschlagnahmt. Die Mutter holte das Kind ab. Auf eine Flugverbotsliste wurde Santiago aber nicht gesetzt, die Waffe erhielt er später zurück.

Waffe im Gepäck transportiert

Die Bundespolizei schließt ein terroristisches Motiv vorerst nicht aus. "Wir ermitteln in alle Richtungen", sagte der FBI-Beamte George Piro. Die Vernehmungen des Tatverdächtigen seien bereits abgeschlossen. Der Mann habe sich dabei "kooperativ" verhalten und erklärt, die Attacke geplant zu haben. Er hatte ein One-Way-Ticket nach Fort Lauderdale gebucht. Wieso er diesen Flughafen auswählte, ist noch unklar. Santiago war nach den Schüssen unverletzt festgenommen worden.

"Es sieht danach aus, dass er hierherkam, um diese grausame Attacke zu verüben", sagte Piro. "Bisher haben wir keinen Auslöser für die Attacke finden können." Bei der Frage nach dem Strafmaß wird es von Bedeutung sein, ob Santiago geplant vorging oder eine psychische Erkrankung vorliegt, die seine Schuldfähigkeit beeinträchtigen könnte.

Der Fall hat erneut eine Debatte über die Sicherheit an Flughäfen entfacht. Santiago hatte seine Waffe, eine Neun-Millimeter-Pistole, und Munition ganz legal im Gepäck aufgegeben. Er war am Freitag mit einer Delta-Air-Lines-Maschine aus Anchorage in Alaska in Fort Lauderdale gelandet, hatte sein Gepäck vom Band genommen und in die Toilette gegangen, wo er offenbar seine Waffe geladen hatte. Dann betrat er den Gepäckausgabebereich im Terminal 2 und begann zu schießen.

jus/AFP/dpa



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