"Costa Concordia"-Prozess Anklage fordert 26 Jahre Haft für Schettino

Im "Costa Concordia"-Prozess hat die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer beendet: Mehr als ein Vierteljahrhundert soll Ex-Kapitän Schettino hinter Gitter.

Ex-Kapitän Francesco Schettino: Droht langjährige Haftstrafe
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Ex-Kapitän Francesco Schettino: Droht langjährige Haftstrafe


Grossetto - Der ehemalige Kapitän der "Costa Concordia", Francesco Schettino, soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft für 26 Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Das forderte die Anklage zum Abschluss ihres Plädoyers vor dem Gericht im toskanischen Grosseto, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Dem 54-Jährigen werden unter anderem fahrlässige Tötung und Körperverletzung vorgeworfen. Ein Urteil wird frühestens für den 9. Februar erwartet.

Die Staatsanwaltschaft hatte Schettino in ihrem mehrtägigen Plädoyer schwere Fehler und Versäumnisse vorgeworfen. Der 54-Jährige habe nach dem Unglück im Januar 2012 nur zögerlich Alarm ausgelöst und bei den Behörden falsche Angaben gemacht, sagte Staatsanwalt Alessandro Leopizzi laut Ansa.

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Außerdem wirft die Anklage dem Ex-Kapitän vor, das Schiff kurz nach dem Unfall in Panik in einem Rettungsboot verlassen zu haben, obwohl noch Hunderte Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord waren. Die "Costa Concordia" hatte am 13. Januar 2012 bei einem riskanten Manöver vor der italienischen Insel Giglio einen Felsen gerammt und war gekentert. 32 Menschen kamen ums Leben, unter ihnen zwölf Deutsche.

Im Prozess hatte Schettino die Vorwürfe gegen seine Person mehrfach zurückgewiesen. Er gab an, in das Rettungsboot gefallen und dann an Land geblieben zu sein, um von dort aus die Rettungsarbeiten zu koordinieren. Aus dem Funkgespräch mit dem Leiter der Küstenwache geht hervor, dass sich der Kapitän nach seiner Flucht vom Schiff weigerte, an Bord zurückzukehren. Das brachte Schettino den Titel "Kapitän Feigling" ein.

Auch Schettinos Äußerungen vor Gericht sorgten für Empörung: "Eine "Dummheit" habe zu der Katastrophe geführt, sagte der ehemalige Kapitän beispielsweise während einer Vernehmung. Außerdem rechtfertigte er die Fahrt nahe der Küste mit den Worten: "Ich wollte drei Fliegen mit einer Klappe schlagen." Um einem Schiffskellner aus Giglio einen Gefallen zu tun, um einen befreundeten Kapitän auf der Insel zu grüßen und auch um den Passagieren etwas zu bieten, habe er das rund 300 Meter lange Schiff so nah an die Küste gefahren.

Der Prozess läuft seit anderthalb Jahren. Dafür wurde in der südtoskanischen Provinzhauptstadt Grosseto, zu deren Region die Insel Giglio gehört, eigens ein Theater zum Gerichtssaal umgewandelt. Insgesamt gelten 4228 Menschen als geschädigt, dazu 31 Firmen oder öffentliche Einrichtungen. Das Gericht ließ 242 zivile Nebenkläger mit zusammen 62 Anwälten zu.

jbe/dpa

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