Hells Angels Spanisches Gericht verlängert U-Haft für Rockerboss Hanebuth

Seit fast zwei Jahren sitzt Hells-Angels-Anführer Frank Hanebuth in spanischer Untersuchungshaft. Ihm wird die Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation vorgeworfen. Jetzt hat ein Gericht entschieden: Hanebuth bleibt im Gefängnis.

Hells Angel Hanebuth auf Mallorca (2013): Im Zentrum eines Netzwerks
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Hells Angel Hanebuth auf Mallorca (2013): Im Zentrum eines Netzwerks

Von und Claas Meyer-Heuer


Um 8.51 Uhr rollt die Guardia Civil mit Frank Hanebuth die Calle de Prim zum Gerichtsgebäude in der Madrider Innenstadt hinauf. Als der gefallene Strippenzieher der Hells Angels mit gefesselten Händen in die Tiefgarage schlendert, ist er für wenige Sekunden zu erspähen. Er trägt ein blaues Hemd und drückt sein mächtiges Kreuz durch. Aufrechter Gang. So wie immer.

Kurze Zeit später taucht Götz von Fromberg auf dem Bürgersteig auf. Der Anwalt verteidigt Hanebuth, 50, seit knapp 35 Jahren. Der Rocker ist Frombergs persönlicher Freund, nicht irgendein Mandant. Um kurz nach elf Uhr verlässt der Verteidiger frustriert das Gerichtsgebäude. "So etwas habe ich noch nie erlebt. Die Anhörung hat zwischen Tür und Angel auf der Geschäftsstelle stattgefunden. Eine Respektlosigkeit."

Gegen 14 Uhr kommt die Bestätigung: Rockerboss Hanebuth, bereits seit fast zwei Jahren hinter Gittern, bleibt in Untersuchungshaft. Diese kann in Spanien insgesamt bis zu vier Jahre dauern. Gegen die richterliche Entscheidung soll laut Fromberg jedoch Beschwerde eingelegt werden. Bisher gebe es keine offizielle Anklage gegen Hanebuth.

Er wird sich jedoch aller Voraussicht nach einem Verfahren in Spanien stellen müssen, in dem es um die Machenschaften der Hells Angels auf Mallorca gehen wird. Wie aus dem 95-seitigen Abschlussbericht der Ermittler hervorgeht, wollen die Fahnder unter anderem Anklage wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Erpressung, Menschenhandel, Betrug und Geldwäsche erheben. Insgesamt sollen demnach 55 Personen vor Gericht gestellt werden.

Als Hauptgeschäft der Rocker machten die spanischen Ermittler das Rotlichtgewerbe auf Mallorca aus. Dem Dokument zufolge sollen Mitglieder der Hells Angels Frauen auf die Insel gebracht und auch zur Prostitution gezwungen haben. Teilweise wurden die Osteuropäerinnen wohl unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nach Mallorca gelockt. Eine wichtige Rolle dabei sollen der zweite Mann der Hells Angels auf Mallorca, Khalil Y., seine aus Frankfurt stammende Freundin Dagmar K. und sein Bruder Abdelghani Y. gespielt haben. Auch Hanebuths Vertrauter Paul E. taucht in dem Zusammenhang auf.

Rockerclub als mafiöse Gruppierung eingestuft

Zudem werfen die Kriminalbeamten Hanebuth und seinen Vertrauten die Erpressung eines windigen Geschäftsmanns vor. Allerdings hat der Bombenanschlag, den die Beamten zunächst den Rockern zugerechnet hatten, offenbar doch einen anderen Hintergrund. Belastend für Hanebuth sind allerdings mehrere abgehörte Telefonate, in denen über das Vorgehen gegen den Anlagebetrüger palavert wird. "Wir müssen es schaffen, dass er es überweist, weil er ist zu feige, um seinen Kopf hinzuhalten, und das werden wir nur über seine Familie schaffen", sagt einer der mutmaßlichen Erpresser. Irgendwann heißt es dann: "Wenn der Frank sagt, dass es nicht geht, dann ok, geht es nicht."

Bei Frank handelt es sich nach Auffassung der spanischen Ermittler um Hanebuth. Nach ihrer Auslegung stand er im Zentrum des kriminellen Netzwerks. Dabei könnte es sich als problematisch für den Hünen aus Hannover erweisen, dass er offiziell als Anführer des auf Mallorca ansässigen Hells Angels Charters "Spain" firmierte. Den Rockerclub stuft die Polizei nämlich in Gänze als mafiöse Gruppierung ein, ihr Anführer gilt somit automatisch als Drahtzieher aller kriminellen Unternehmungen jedes einzelnen Rockers. Und das waren wohl nicht wenige.

Hanebuth war im Juli 2013 in der mallorquinischen Finca seines väterlichen Freundes Paul E. festgenommen worden. Als er damals in Handschellen dem Haftrichter vorgeführt wurde, rief er einem SPIEGEL-TV-Reporter zu, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen. "Ich habe daher nichts zu befürchten", so Hanebuth.

Der deutsche Rockerfürst hatte sich ebenso wie einige andere ehemalige Mitglieder des Hannoveraner Charters der Hells Angels im Sommer 2012 Richtung Mallorca aufgemacht. Zuvor löste Hanebuth noch den Ableger der Motorradgang in seiner Heimatstadt auf, nachdem im Mai 2012 die GSG 9 seine Villa gestürmt und einen seiner Hunde erschossen hatte. Der massive Polizeieinsatz ging auf die Aussagen eines dubiosen Informanten des schleswig-holsteinischen Landeskriminalamts zurück, die Vorwürfe bestätigten sich nie. Als Wiedergutmachung für die Schäden auf seinem Anwesen wurden Hanebuth unlängst 40.000 Euro zugesprochen.

Video: SPIEGEL TV Magazin über die Razzia gegen Hells Angels im Mai 2012

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