Angriff auf AfD-Politiker Ermittler prüfen angebliches Bekennerschreiben

Nach dem Angriff auf den Bremer AfD-Chef Frank Magnitz ist auf der Plattform "Indymedia" ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Ermittler zweifeln offenbar Zweifel an der Echtheit des Textes.

Polizisten am Tatort in Bremen
REUTERS

Polizisten am Tatort in Bremen


Die Bremer Staatsanwaltschaft prüft nach der Attacke auf den AfD-Politiker Frank Magnitz ein angebliches Bekennerschreiben. Das sagte ein Sprecher auf Anfrage. Der Text war am Mittwochabend kurzzeitig auf der Plattform "Indymedia" zu sehen und wurde dann gelöscht.

Dem SPIEGEL liegt ein Screenshot vor. In dem Schreiben heißt es, Magnitz sei von der Gruppe "Antifaschistischer Frühling Bremen" angegriffen worden. Ob der Text authentisch ist, ist unklar. Aus Sicherheitskreisen hieß es laut der Deutschen Presse-Agentur, an der Authentizität der Botschaft bestünden erhebliche Zweifel.

Magnitz war am Montagabend von Unbekannten niedergeschlagen worden. Der Politiker hatte dem SPIEGEL am Dienstag gesagt, er vermute Täter aus der linken Szene.

Der Bremer AfD-Landesverband sprach noch am Tag der Tat in einer Erklärung von einem "Attentat", von "Vermummten", die Magnitz aufgelauert und mit einem Kantholz bewusstlos geschlagen hätten. Sie hätten gegen seinen Kopf getreten, als er bereits am Boden lag.

Frank Magnitz im Krankenbett
SPIEGEL ONLINE

Frank Magnitz im Krankenbett

Die Bremer Ermittler widersprachen dieser Darstellung in wichtigen Punkten. Tritte gegen den Kopf sowie den Einsatz eines Kantholzes oder eines anderen Gegenstandes könne er auf Basis der Videoaufzeichnung ausschließen, sagte der Staatsanwalt Frank Passade. "Wir gehen davon aus, dass die Verletzungen allein dem Sturz geschuldet sind."

Die beiden Zeugen, auf die sich die AfD beruft, stellen die Tat der Polizei gegenüber ebenfalls anders dar. Die Handwerker gaben laut Passade an, die Tat gar nicht gesehen zu haben. Sie seien erst durch Schreie aufmerksam geworden. Von einem Kantholz hätten sie der Polizei gegenüber nichts gesagt.

Die AfD hat ihre Darstellung inzwischen relativiert. "Mit dem jetzigen Wissen würden wir die Mitteilung etwas anders formulieren, aber sie entsprach dem Kenntnisstand kurz nach der Tat", sagte Landesvize Thomas Jürgewitz den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Indymedia ist eine Plattform, auf der jeder Nutzer eigene Beiträge veröffentlichen kann. Anonymität ist dabei das höchste Gebot - die Autoren sind nicht ausfindig zu machen. Schon mehrfach tauchten nach Straftaten auf Indymedia vermeintliche Bekennerschreiben auf, die sich als Fälschungen erwiesen, etwa nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund. Der Verfassungsschutz monierte vor einiger Zeit in einer vertraulichen Analyse, auf "Indymedia" sei ein "rechtsfreier Onlineraum" entstanden.

gud/jpz/dpa



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