"NSU 2.0" in Frankfurt LKA ermittelt gegen rechtsextremes Netzwerk innerhalb der Polizei

Erst durch Drohungen gegen eine Anwältin von NSU-Opfern waren sie aufgeflogen. Nun übernimmt das hessische Landeskriminalamt die Ermittlungen gegen das mutmaßlich rechtsextreme Netzwerk innerhalb der Frankfurter Polizei.

Polizisten
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Im Fall des mutmaßlich rechtsextremen Netzwerks innerhalb der Frankfurter Polizei hat das hessische Landeskriminalamt (LKA) die Ermittlungen übernommen. Dazu wurde eigens eine Arbeitsgruppe einberufen, um die Vorwürfe aufzuklären, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet.

Die Anfang der Woche bekannt gewordenen Ermittlungen gegen fünf Frankfurter Polizisten gehen auf einen Drohbrief an die Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz zurück, wie die "Frankfurter Neue Presse" (FNP) am Wochenende berichtete. In diesem Drohbrief sei auch die private Adresse der Rechtsanwältin genannt worden.

Staatsschutz-Ermittler entdeckten daraufhin, dass von einem Dienstcomputer im ersten Frankfurter Polizeirevier die Melderegister-Einträge von Basay-Yildiz abgerufen worden waren. Die Frankfurter Anwältin trat im NSU-Prozess als Nebenklage-Vertreterin auf.

Am Samstag war öffentlich geworden, dass die Ermittler erst durch das Drohschreiben auf das Netzwerk ihrer Kollegen aufmerksam geworden sind. Die Wiesbadener Behörde hatte nach eigenen Angaben aus der Presse von dem Fall erfahren.

Anwältin erhielt keine Auskunft von Behörde

Nun hat die Strafverteidigerin selbst massive Kritik an der Polizei geübt. Sie habe erst erfahren, dass die Spur in die Polizei selbst hineinführe, "nachdem der Fall in der Presse berichtet worden ist", sagte Basay-Yildiz der "FAZ". "Ich hätte mir gewünscht, dass die Polizei mich vorher darüber informiert hätte."

Laut Bericht hatte die Juristin seit August, als der Drohbrief per Fax bei ihr eingegangen ist, mehrfach bei der Polizei nachgefragt, ob es neue Erkenntnisse gebe. Es sei auch darum gegangen, eine Einschätzung zu bekommen, ob ihre Familie geschützt werden müsse, sagte sie. Die Behörde habe ihr aber keine umfassende Auskunft gegeben.

Am 2. August habe die Anwältin eigenen Angaben zufolge ein Drohschreiben erhalten, das mit "NSU 2.0" unterzeichnet worden sei, schrieb die "FNP". In dem Schreiben heiße es: "Miese Türkensau! Du machst Deutschland nicht fertig. Verpiss dich lieber, solange du hier noch lebend rauskommst, du Schwein! Als Vergeltung schlachten wir deine Tochter."

Den fünf inzwischen suspendierten Beamten wird zur Last gelegt, über ihre Mobiltelefone regelmäßig rechtsextremistische Inhalte ausgetauscht zu haben. Es soll sich um vier Männer und eine Frau handeln.

Im Video: Geschichte des modernen Rechtsextremismus

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lie/AFP

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