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NS-Verbrechen: Staatsanwaltschaft Frankfurt klagt 92-Jährigen an

Nach dem Urteil gegen den früheren SS-Mann Gröning könnte in Hanau bald ein weiterer Auschwitz-Prozess beginnen. Die Staatsanwaltschaft will einen 92-Jährigen wegen Beihilfe zum Mord belangen.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main hat gegen einen früheren mutmaßlichen KZ-Wächter in Auschwitz Anklage wegen Beihilfe zum Mord erhoben. Der Fall soll vor der Jugendkammer des Landgerichts Hanau verhandelt werden, weil der Beschuldigte zur mutmaßlichen Tatzeit erst 19 und 20 Jahre alt war.

Der heute 92-Jährige hat nach Überzeugung der Ermittler zwischen November 1942 und Juni 1943 als Mitglied der SS in Auschwitz Wachdienst verrichtet. Während dieser Zeit soll er an der "organisatorischen Abwicklung" dreier Transporte mit insgesamt 1870 Deportierten beteiligt gewesen sein.

Grausam und heimtückisch

Mindestens 1075 Personen seien gleich nach ihrer Ankunft "grausam und heimtückisch getötet" worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Transporte kamen aus Berlin, Drancy (Frankreich) und Westerbork (Niederlande).

Die Anklage stütze sich im Wesentlichen auf Dokumente wie Dienstpläne, Transport- und Lagerlisten. Der Beschuldigte habe nicht abgestritten, in Auschwitz gewesen zu sein, aber keine weiteren Angaben gemacht, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Der Beschuldigte meldete sich demnach 1942 freiwillig zum Dienst in der SS. Aus "Rechts- und Beweisgründen" beschränke man sich darauf, die Anklage auf die drei Transporte zu beschränken. Den Ermittlern zufolge soll der Beschuldigte gewusst haben, dass er an der "industriell organisierten Massentötung" Tausender wehrloser Menschen beteiligt war.

Das Verfahren geht zurück auf Vorermittlungen der Zentralen Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg. Der 92-Jährige ist einer der 14 Verdächtigen, deren Wohnungen im Februar 2014 bei einer bundesweiten Aktion durchsucht worden waren. Gegen einen weiteren Verdächtigen aus Hessen werde nach wie vor ermittelt, sagte Busch.

Am Mittwoch hatte das Landgericht Lüneburg den ehemaligen SS-Mann Oskar Gröning wegen Beihilfe zum Mord in Hunderttausenden Fällen verurteilt. Der 94-Jährige soll vier Jahre in Haft.

sms/ulz/dpa

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