Frankfurt am Main Ehemalige Klosterschüler werfen buddhistischem Abt sexuellen Missbrauch vor

Der buddhistische Abt Thich Thien Son soll sich nach SPIEGEL-Informationen in Klöstern in Frankfurt am Main und im Odenwald an mehreren Schülern sexuell vergangen haben. Er bestreitet das.

Abt und Zen-Meister Thich Thien Son
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Abt und Zen-Meister Thich Thien Son

Von und Anna Sawerthal


Wie anfällig geschlossene Systeme für sexualisierte Gewalt sind, ist schon seit den Skandalen der Kirchen oder der Odenwaldschule bekannt. Buddhistische Gemeinschaften sind da offenbar keine Ausnahme: Thich Thien Son, ein bekannter buddhistischer Abt, soll sich in den Klöstern "Pagode Phat Hue" in Frankfurt am Main und "Buddhas Weg" im Odenwald an mehreren Klosterschülern sexuell vergangen haben. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Davon haben ein Dutzend Personen dem SPIEGEL berichtet, Dokumente bestätigen die Vorwürfe. Außerdem wird dem Abt vorgeworfen, pornografische Videos gedreht zu haben. Der Abt war bis 2009 Vorsitzender der Deutschen Buddhistischen Ordensgemeinschaft e.V. (DBO). Außerdem war er einer derjenigen, die den Dalai Lama davon überzeugen konnten, während seiner Europareise 2009 auch zu einer viertägigen Veranstaltung in Frankfurt mit 50.000 Teilnehmern zu kommen.

Ein Betroffener berichtet, er habe 2005 als damals Zwölfjähriger immer wieder im Bett des Abts geschlafen; dann habe er den Abt an den Genitalien massieren oder ihn oral befriedigen sollen. Im selben Jahr soll Thich Thien Son einen anderen jungen Mann aufgefordert haben, ihn zu küssen, um herauszufinden, ob dieser schwul sei. Der Mann berichtet, Thich Thien Son habe ihn in den folgenden Monaten immer wieder zu sich geholt und aufgefordert, ihn zu küssen und zu streicheln. Dabei sei es auch zu Oral- und Analverkehr gekommen. Als er Zweifel äußerte, habe der Abt gesagt, ihm bliebe die Erleuchtung verwehrt, wenn er nicht weitermache.

Die DBO hat Thich Thien Son im Dezember 2010 ausgeschlossen, nachdem ihr mehrere eidesstattliche Versicherungen vorgelegt worden waren, die den Abt belasteten und der eine Stellungnahme zunächst verweigert hatte. In einem Gespräch mit Klosterschülern soll er Sexualkontakte mit dem Kind eingestanden haben.

Thich Thien Son bestreitet die Vorwürfe. Er sieht darin die "Verunglimpfung eines religionspolitisch Unliebsamen" und sagt, er sei Opfer einer Intrige der DBO und der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) geworden. Da er den Buddhismus in Deutschland nicht als Religionsgemeinschaft habe anerkennen lassen wollen, habe vor allem der DBO "alles Mögliche" unternommen, um ihn aus dem Amt zu drängen. Außerdem verweist er auf zwei eingestellte Verfahren der Staatsanwaltschaft.

Heute leitet Thich Thien Son wieder Seminare im Kloster im Odenwald, auch für und über Kinder.

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