Mordprozess in Frankfurt Staatsanwaltschaft fordert Höchststrafe für den "Lasermann"

Mit einem Kopfschuss soll "Lasermann" John Ausonius eine 68-Jährige ermordet haben - vor mehr als 25 Jahren. Die Staatsanwaltschaft verlangt lebenslange Haft, die Verteidigung einen Freispruch.

"Lasermann" John Ausonius im Landgericht Frankfurt
DPA

"Lasermann" John Ausonius im Landgericht Frankfurt


Im Frankfurter Mordprozess gegen den als "Lasermann" bekannt gewordenen Schweden John Ausonius hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert. Der Angeklagte tötete demzufolge in der Nacht zum 23. Februar 1992 eine Garderobiere im Frankfurter Westend mit einem Kopfschuss.

Die Staatsanwaltschaft beantragte auch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld sowie eine anschließende Sicherungsverwahrung. Dessen Verteidiger Joachim Bremer forderte einen Freispruch - sein Mandant hatte in diesem Indizienprozess die Tat stets abgestritten.

Laut Anklage hatte Ausonius vor 26 Jahren Blanka Zmigrod getötet, um an einen sogenannten Casio-Rechner zu gelangen, den er in ihrer Tasche wähnte. Der Schwede sei davon ausgegangen, die damals 68-Jährige habe das Gerät kurz zuvor aus der Tasche seines Mantels gestohlen, den er im Mövenpick Hotel bei ihr abgegeben hatte.

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Mordprozess gegen John Ausonius: Die Akte "Lasermann"

Die Anklage ein Vierteljahrhundert nach der Tat hatte großes Aufsehen erregt, weil Ausonius ein einschlägig vorbestrafter Serientäter ist: In Schweden schoss er Anfang der Neunzigerjahre über Monate mit einem Gewehr gezielt auf Migranten - in manchen Fällen benutzte er eine Laser-Zielvorrichtung, was ihm den Beinamen "Lasermann" einbrachte. Eines der Opfer erlag seinen Verletzungen, wegen der Mordanschläge wurde Ausonius 1995 verurteilt und sitzt seitdem in Haft.

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Seine Verbrechen waren wohl Vorbild für Rechtsextremisten wie den norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik, der 2012 vor Gericht gesagt hatte: "Es sind diese Ungerechtigkeiten, die mich, den Lasermann in Schweden und den NSU in Deutschland schafften." Ob Ausonius auch den "Nationalsozialistischen Untergrund" inspiriert hat, ist allerdings unklar (Mehr dazu lesen Sie hier).

Im jetzigen Verfahren hatte Ausonius selbst in einer ausführlichen Einlassung am ersten Verhandlungstag seinen Werdegang geschildert - und die Verdächtigung gegen ihn als "reine Verleumdung" bezeichnet: "Ich hoffe, dass ich wegen des fehlenden Alibis jetzt nicht geopfert werde."

Das Urteil soll am Mittwochnachmittag fallen.

mxw

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