Silvesternacht in Frankfurt Sexuelle Übergriffe offenbar erfunden

In einem Frankfurter Ausgehviertel soll es an Silvester angeblich zu massiven sexuellen Übergriffen gekommen sein. Doch nun ermitteln die Behörden in eine völlig andere Richtung.

Frankfurt am Main
DPA

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Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat nach Berichten über Randale und Übergriffe an Silvester Ermittlungen wegen Vortäuschung einer Straftat aufgenommen. Wie die Polizei mitteilte, werden ein Wirt und eine Frau verdächtigt, falsche Behauptungen aufgestellt zu haben.

Beide hatten der "Bild"-Zeitung gesagt, zahlreiche arabisch oder nordafrikanisch aussehende Männer hätten auf der Restaurantmeile Freßgass randaliert sowie Frauen belästigt. Die Frau hatte erklärt, sie sei selbst Opfer sexueller Übergriffe.

Intensive und umfangreiche Ermittlungen hätten ergeben, dass es zu keinen "massiven mobartigen Übergriffen durch Massen von Flüchtlingen" gekommen sei, heißt es in einer Mitteilung der Polizei. Die in den Raum gestellten Vorwürfe seien haltlos und entbehrten jeder Grundlage. Vernehmungen von Zeugen hätten erhebliche Zweifel an den früheren Schilderungen gebracht.

Belgrad statt Frankfurt?

"So war eine von den Handlungen angeblich betroffene Person zum Tatzeitpunkt nach dem derzeitigen Ermittlungsstand gar nicht in der Stadt", teilte die Polizei mit. Nach Informationen der "Frankfurter Neuen Presse" soll sich die Frau, die die Vorwürfe erhoben hatte, über Silvester in Belgrad aufgehalten haben.

Der Gastronom aus der Freßgass hatte gesagt, eine Gruppe von rund 50 Arabern sei in seinen Laden gekommen. Frauen hätten ihn um Hilfe gebeten, weil sie angegrapscht worden seien.

In dem Ausgehviertel hatte es in der Nacht laut Polizei allerdings nur zwei größere Einsätze gegeben: Eine Festnahme wegen Körperverletzung und einen Notruf wegen eines mutmaßlich durch Böller verursachten Brandes.

"Bis heute wurden bei der Polizei keine weiteren Straftaten aus dem Bereich der Freßgass angezeigt", heißt es in der aktuellen Polizeimitteilung. Demnach wird inzwischen auch geprüft, ob durch die Ermittlungen entstandene Polizeikosten geltend gemacht werden können. Zudem würden "konzessionsrechtliche Überprüfungen" in die Wege geleitet.

wit/dpa



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