Gelbwesten-Proteste in Frankreich Ex-Boxprofi für Attacke auf Polizisten verurteilt

Christophe Dettinger war einst Boxprofi. Am Rande von Gelbwesten-Protesten in Paris griff er Polizisten an. Dafür muss er nun ins Gefängnis - aber nur nachts.

Christophe Dettinger (r.) bei Gelbwesten-Protest im Januar
REUTERS

Christophe Dettinger (r.) bei Gelbwesten-Protest im Januar


Wegen eines gewalttätigen Angriffs auf Polizisten am Rande von Gelbwesten-Protesten ist der frühere französische Boxprofi Christophe Dettinger zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Ein Gericht in Paris verhängte ein Jahr Gefängnis gegen den 37-Jährigen und setzte eineinhalb weitere Jahre Haft zur Bewährung aus. Dettinger wird aber nur die Nächte hinter Gittern verbringen müssen, tagsüber darf er weiter arbeiten.

Zudem muss Dettinger den beiden Polizisten, die er attackierte, 2000 beziehungsweise 3000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Haft gefordert, davon eines auf Bewährung, und dem Angeklagten "beispiellose Gewalt" vorgeworfen.

Der ehemalige französische Meister im Halbschwergewicht hatte am 5. Januar in Paris zwei Polizisten geschlagen. Außerdem trat er mehrfach auf einen der beiden ein, als dieser am Boden lag.

"Wollte eine Ungerechtigkeit verhindern und habe selbst eine begangen"

Vor Gericht erklärte Dettinger, die Polizisten hätten Demonstranten mit Schlagstöcken attackiert und eine gestürzte Frau getreten. Daraufhin habe er eingegriffen. "In mir ist eine extreme Wut hochgekocht", sagte er. "Ich wollte eine Ungerechtigkeit verhindern und habe selbst eine begangen."

Für viele Gelbwesten ist der Ex-Boxer zu einer Symbolfigur geworden, Videoaufnahmen seiner Attacke wurden vielfach in sozialen Netzwerken geteilt. Bei einer Online-Spendenaktion zur Deckung seiner Gerichtskosten kamen mehr als 120.000 Euro zusammen.

Bei den Protesten der Gelbwesten gegen die Reformpolitik von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron ist es wiederholt zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Polizisten wurden Ziel von Attacken. Aktivisten werfen wiederum den Sicherheitskräften vor, mit unverhältnismäßiger Härte vorzugehen.

wit/AFP



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