Frankreich: Gericht verurteilt Scientology zu Geldstrafen

Der französische Ableger von Scientology ist wegen Betruges zu hohen Geldstrafen verurteilt worden. Außerdem wurden gegen vier Führungsmitglieder Bewährungsstrafen verhängt. Auf ein Verbot der in Frankreich als Sekte eingestuften Organisation hat das Gericht aber verzichtet.

Paris - Die beiden tragenden Einrichtungen der französischen Scientology-Organisation, das Celebrity Centre und die Buchhandlung SEL, müssen 400.000 beziehungsweise 200.000 Euro Strafe zahlen. Dies hat der Strafgerichtshof in Paris am Dienstag entschieden.

Scientology hatte sich wegen betrügerischer Machenschaften vor Gericht verantworten müssen. Die Organisation warb demnach neue Mitglieder mit unlauteren Methoden an und nahm sie finanziell aus. Der Staatsanwalt hatte am 15. Juni die Auflösung beider Organisationen sowie Geldstrafen von zwei Millionen Euro verlangt. Es war das erste Mal, dass Scientology und ihre Buchhandlung sich als juristische Personen verantworten mussten.

Der Gründer und Leiter des französischen Ablegers, Alain R., wurde zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt und muss 30.000 Euro Strafe zahlen. Das Gericht blieb damit deutlich unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft, die vier Jahre auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von 150.000 Euro für R. verlangt hatte.

Drei weitere Führungsmitglieder wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt, gegen zwei weitere Angeklagte wurden Geldstrafen von 1000 und 2000 Euro verhängt.

Richter beschlossen kein Verbot

Der wichtigsten Forderung der Anklagebehörde, nämlich der Auflösung, kamen die Richter nicht nach. Die in Frankreich als Sekte eingestufte Organisation darf weiter tätig sein, urteilte das Gericht und erklärte, mit einem Verbot würde das Risiko entstehen, dass Scientology seine Aktivitäten "außerhalb jedes gesetzlichen Rahmens" fortsetze.

Außerdem soll ein Verbot wegen einer umstrittenen Gesetzesänderung nicht mehr möglich sein. Nach Angaben der Regierungsmehrheit wurde das fragliche Gesetz aus Versehen innerhalb eines umfassenden Paketes zur Rechtsvereinfachung geändert. Kritiker von Scientology unterstellen der Organisation aber, die Nationalversammlung unterwandert zu haben.

Scientology wurde 1954 vom Science-Fiction-Autor Ron Hubbard in den USA gegründet und hat berühmte Anhänger wie die Hollywood-Stars Tom Cruise und John Travolta. In Deutschland steht Scientology unter Beobachtung des Verfassungsschutzes.

Der Oscar-prämierte Drehbuchautor und Regisseur Paul Haggis hat Scientology nach 35 Jahren den Rücken gekehrt. Grund sei unter anderem deren Haltung gegenüber Homosexuellen.

siu/AFP/AP

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