Schwerer Zwischenfall in Frankreich Islamist randaliert in Hochsicherheitsgefängnis

In einem französischen Hochsicherheitsgefängnis hat ein Inhaftierter Wachleute angegriffen. Dann verschanzte er sich mit seiner Lebensgefährtin, die ihn besuchte, in einem Zimmer. Die Sicherheitskräfte eröffneten das Feuer, die Frau starb.

Polizei und Soldaten vor dem französischen Gefängnis
REUTERS

Polizei und Soldaten vor dem französischen Gefängnis


In einer Haftanstalt im französischen Condé-sur-Sarthe hat ein Häftling zwei Wachleute mit einem Messer schwer verletzt und sich dann mit seiner Lebensgefährtin in einem Zimmer verschanzt. Elitekräfte der Polizei konnten das Paar am Abend überwältigen. Das teilte Frankreichs Innenminister Christophe Castaner auf Twitter mit.

Er sprach der Elite-Polizeieinheit RAID "Respekt und Dankbarkeit" aus und würdigte "den Mut, die Gelassenheit und die Professionalität". Wie der Sender Franceinfo unter Berufung auf den Antiterrorstaatsanwalt Rémy Heitz berichtet, starb die Lebensgefährtin.

Der 27-jährige Michael C. ist in dem Gefängnis als "radikalisierter" Islamist eingestuft. Er verbüßt in Condé-sur-Sarthe eine 30-jährige Haftstrafe für Entführung mit Todesfolge, bewaffneten Raub und für die Unterstützung von Terrorismus. Gemeinsam mit einem Komplizen hatte er im Jahr 2015 einen Mann bei einem Raubüberfall in dessen Haus erwürgt. Ein zweites Mal wurde er verurteilt, weil er seine Mithäftlinge dazu aufrief, den islamistischen Terroranschlag auf das Bataclan-Kulturzentrum in Paris zu wiederholen. Bei dem Anschlag im November 2015 starben 90 Menschen.

Seit langem Proteste für mehr Sicherheit in Gefängnissen

Den Angaben zufolge wollte der Häftling mit seiner Tat den Tod des Straßburger Attentäters Chérif Chekatt rächen, er soll "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") gerufen haben. Bei dem Attentat in der Elsass-Metropole waren im Dezember fünf Menschen getötet worden, zwei Tage später wurde der polizeibekannte islamistische Extremist Chekatt bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet.

Justizministerin Nicole Belloubet sagte, es gebe "keine Zweifel", dass es sich bei der Randale des Gefangenen um "einen Akt des Terrorismus" handele. Der Mann war nach Angaben der Haftanstalt mit einem Keramikmesser auf die Wachleute losgegangen. Die Polizei untersuchte, ob seine Lebensgefährtin es ihm ins Gefängnis mitgebracht hat.

Nach Angaben eines Gewerkschaftsvertreters wurde ein Wachmann schwer am Oberkörper verletzt, ein zweiter erlitt Schnittverletzungen im Gesicht und am Rücken. Der Tatort - ein Zimmer, in dem Häftlinge Besuch von ihren Familien bekommen dürfen - sei "ein Schlachtfeld" gewesen: "Überall war Blut." Frankreichs Gefängnismitarbeiter protestieren seit langem immer wieder für mehr Sicherheit und bessere Arbeitsbedingungen.

Die Haftanstalt in der Normandie gilt als eine der sichersten Frankreichs. Dennoch war C. laut Ministerin Belloubet nicht im zusätzlich gesicherten Trakt des Gefängnisses untergebracht, der vor wenigen Monaten gezielt für radikalisierte Insassen eingerichtet wurde.

sth/AFP

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.