Südfrankreich Leiche gefunden nach Ferienlager-Überschwemmung

In der Nähe des überschwemmten Ferienlagers in Südfrankreich ist eine Leiche entdeckt worden. Dabei soll es sich höchstwahrscheinlich um den vermissten Betreuer handeln.

Überschwemmtes Zeltlager in Frankreich
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Überschwemmtes Zeltlager in Frankreich


Nach der Überschwemmung eines deutschen Ferienlagers in Südfrankreich ist im Fluss Ardèche eine Leiche gefunden worden. Es handele sich "mit hoher Wahrscheinlichkeit" um die Leiche eines 66-jährigen vermissten Deutschen, sagte ein Polizeisprecher. Die Leiche wurde demnach am Montag in der Nähe des Ferienlager-Geländes im Ort Saint-Julien-de-Peyrolas gefunden und geborgen, aber noch nicht identifiziert.

Der Betreuer des Ferienlagers der Leverkusener Jugendförderung St. Antonius wird vermisst, seit der Campingplatz am Donnerstag nach heftigen Regenfällen überschwemmt wurde. Sein Wohnwagen wurde vom Wasser mitgerissen und später zerstört aufgefunden. Nach dem 66-Jährigen war am Wochenende noch gesucht worden.

Die Leiche wurde nun zur Identifizierung in die Gerichtsmedizin gebracht, wie der Polizeisprecher sagte. Das Ergebnis der Untersuchung wird nach Polizeiangaben aber erst in einigen Tagen vorliegen.

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Ferienlager in Südfrankreich: Wohnwagen weggerissen, Deutscher vermisst

Der Veranstalter verteidigte sich am Montag gegen Vorwürfe der französischen Justiz. Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins St. Antonius sagte der Deutschen Presse-Agentur in Köln: "Wir haben uns absolut nichts vorzuwerfen." Die Justiz in Nîmes hatte am Wochenende Ermittlungsverfahren gegen ihn und den Vereinsvorsitzenden eingeleitet, unter anderem wegen fahrlässiger Körperverletzung.

"Schwerwiegende oder übereinstimmende Indizien"

Man habe im Camp sehr früh Alarm ausgelöst und die Jugendlichen zunächst geordnet auf einen höher gelegenen Parkplatz geleitet, sagte der zweite Vorsitzende, der sich noch in Frankreich aufhält. Danach sei Panik ausgebrochen, weil viele zurück in die Zelte gestürmt seien, um ihre Sachen zu holen. Als die Lage nicht mehr beherrschbar schien, wurde die Feuerwehr gerufen. Die Vorwürfe mit Blick auf das Camp-Gelände seien für ihn nicht nachvollziehbar, einen juristischen Streit um den Platz habe der Verein 2017 in erster Instanz gewonnen.

Der zweite Vorsitzende bezeichnete das Vorgehen der Ermittler gegen ihn und den ersten Vorsitzenden sogar als Anklage. Sie seien danach gegen Auflage auf freien Fuß gesetzt worden. Ihnen werde die Errichtung eines illegalen Campingplatzes, die Gefährdung von Personen und zudem Schwarzarbeit vorgeworfen.

Der fragliche Schritt im französischen Strafprozessrecht ("mise en examen") wird als Einleitung eines Ermittlungsverfahrens übersetzt, manchmal aber auch als Anklage. Dieses Verfahren bedeutet, dass die Ermittler "schwerwiegende oder übereinstimmende Indizien" gegen die Verdächtigen sehen. Es gibt aber einen zentralen Unterschied zur deutschen Anklageerhebung, mit der die Staatsanwaltschaft bereits einen Prozess vor einem Gericht beantragt. Bei einer "mise en examen" in Frankreich gehen die Ermittlungen weiter, erst nach Abschluss dieser Untersuchungen kann der Staatsanwalt dann eine Prozesseröffnung beantragen. "Da sind wir noch nicht", sagte Staatsanwalt Eric Maurel am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

bam/dpa/AFP



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womo88 14.08.2018
1. "Wir haben uns absolut nichts vorzuwerfen."
Was will man von Laien auch anderes erwarten? Ich mache seit fast 20 Jahren in der Gegend Urlaub und habe dort Jugendfreizeiten geleitet und Hochwasser erlebt. Als Verantwortlicher habe ich dafür zu sorgen, dass nichts passiert bzw. nichts passieren kann. Wenn man auf der Homepage des Vereins liest, handelt es sich doch eher um ein paramilitärisches Camp mit Morgenapell etc. Also mal ganz ehrlich. Ich habe 35 Jahre Kinder- und Jugendfreizeiten geleitet. Da wären nie Kinder oder Jugenbdliche aus Panik zurück ins Wasser gelaufen. Das widerspricht all meinen Erfahrungen aus 35 Jahren.
womo88 14.08.2018
2. Die machen so weiter, wenn man sie lässt. Das ist das Schlimme!
"Man habe im Camp sehr früh Alarm ausgelöst und die Jugendlichen zunächst geordnet auf einen höher gelegenen Parkplatz geleitet, sagte der zweite Vorsitzende, der sich noch in Frankreich aufhält. Danach sei Panik ausgebrochen, weil viele zurück in die Zelte gestürmt seien, um ihre Sachen zu holen. Als die Lage nicht mehr beherrschbar schien, wurde die Feuerwehr gerufen. Die Vorwürfe mit Blick auf das Camp-Gelände seien für ihn nicht nachvollziehbar, einen juristischen Streit um den Platz habe der Verein 2017 in erster Instanz gewonnen." Schuld sind also die Jugendlichen selbst, die einfach nicht das gemacht haben, was ihnen gesagt wurde und wahrscheinlich auch der Tote, der ja nicht zurück oder in seinen Wohnwagen hätte gehen müssen. Die Campleitung wird also so weitermachen, weil sie sich nichts vorzuwerfen hat. Na gut, wir haben jetzt einen Toten, aber wir haben in erster Instanz gewonnen in 2017. Da fällt mir nichts mehr ein. Die beiden Herren wollen doch nur ihre Haut retten! Ich hoffe, dass die franz. Behörden wenigstens das private Camp dauerhaft schließen!
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