Sicherheitskräfte erschießen Mann an Pariser Flughafen Angreifer soll vorbestrafter Islamist gewesen sein

Im Pariser Flughafen Orly ist ein Mann erschossen worden, der einer Soldatin die Waffe entreißen wollte. Bei dem Angreifer soll es sich um einen Islamisten mit französischer Staatsbürgerschaft handeln.

REUTERS

Terrorangst in Frankreich: Am Pariser Flughafen Orly erschoss die Polizei einen Angreifer, der versucht hatte, einer Soldatin die Waffe zu entreißen.

Nach Angaben des Innenministeriums war der Mann, bei dem es sich um einen Islamisten handeln soll, um kurz vor sieben Uhr morgens nördlich von Paris in eine Verkehrskontrolle geraten. Er schoss mit einer Schrotpistole auf drei Polizisten und verletzte einen von ihnen. Dann zwang er eine unbeteiligte Autofahrerin, ihm ihr Auto zu überlassen und floh damit in Richtung Flughafen.

Der angeschossene Polizist befindet sich laut Behördenangaben im Krankenhaus, die Kopfverletzungen seien aber nicht sehr schwer.

Fotostrecke

10  Bilder
Großeinsatz in Frankreich: Mann am Flughafen Paris-Orly erschossen

Gegen 8.30 Uhr griff der Mann in Halle 1 des Flughafengebäudes von Orly drei Soldaten an, die sich auf Patrouille befanden und alle der Air Force angehören. Unter den dreien befand sich eine Frau. Der Angreifer soll demnach die Frau zu Boden gerungen und versucht haben, ihr die Waffe zu entreißen.

Sie habe ihre Waffe festgehalten. "Aber ihre zwei Kameraden haben es für nötig gehalten - und sie hatten Recht - das Feuer zu eröffnen, um sie zu beschützen und vor allem um die Leute drumherum zu beschützen", sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian.

Die Soldaten gehörten zur Sentinel-Spezialeinheit, die wegen der Terrorgefahr derzeit an Flughäfen, Bahnhöfen und anderen gefährdeten Orten in Frankreich patrouillieren. Ein Zeuge berichtete, die Soldaten hätten versucht, den Mann zu beruhigen. Dann hörte der Zeuge Schüsse.

Angreifer soll ein vorbestrafter 39-Jähriger sein

Der getötete Angreifer war laut Innenministerium als Islamist bekannt. Er habe auf den Beobachtungslisten gestanden. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen.

Es handelt sich laut Nachrichtenagentur AFP um einen mehrfach vorbestraften Mann mit französischer Staatsbürgerschaft, der von der Kriminalpolizei gesucht wurde. Der Mann war wegen einer Reihe von Straftaten wie bewaffnetem Raubüberfall und Drogenhandel mehrfach vorbestraft. Inzwischen seien der Vater und der Bruder des erschossenen Angreifers festgenommen worden. Solche Festnahmen im "Umfeld eines Verdächtigen" seien üblich, berichtet AFP mit Verweis auf Ermittlerkreise.

Die französische Tageszeitung "Le Figaro" berichtet, der 39-Jährige habe sich während eines Gefängnisaufenthalts radikalisiert. Für diese Informationen gibt es bislang keine offizielle Bestätigung.

Frankreichs Präsident François Hollande hat "den Mut und die Tüchtigkeit" der Sicherheitskräfte gelobt. "Der Präsident der Republik bekräftigt die Entschlossenheit des Staates, unablässig zu handeln, um gegen den Terrorismus zu kämpfen, die Sicherheit unserer Mitbürger zu verteidigen und den Schutz des Staatsgebiets sicherzustellen", teilte der Élyséepalast am Samstag mit. Den Angreifer, der von Soldaten am Flughafen erschossen worden war, bezeichnete er als "besonders gefährliche Person".

Nach dem Vorfall wurde der gesamte Flughafen geräumt, etwa 3000 Menschen mussten die Terminals verlassen. Zudem sicherten französische Eliteeinheiten das Flughafengelände ab. Sprengstoffexperten stellten sicher, dass der Mann keine Bombe dabei hatte. Fluggäste, die sich am Flughafen befanden, berichteten von Panik.

Wegen der Attacke wurde der gesamte Flugverkehr des Airports ausgesetzt, ankommende Flüge wurden zum Flughafen Charles de Gaulle umgeleitet.

Am Nachmittag lief der Flugverkehr am Terminal West wieder an. Das Süd-Terminal, Ort des Angriffs, blieb zunächst geschlossen - laut Flughafenmanagement bis Samstagabend. Die französische Fluggesellschaft Air France empfahl Fluggästen, ihre Reise zu verschieben.

Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel von Terroranschlägen. Erst vor einigen Wochen war nahe dem Pariser Louvre-Museum ein Mann niedergeschossen worden, der sich mit Macheten auf eine Militärpatrouille gestürzt hatte.

Bei einer Anschlagsserie in Paris wurden am 13. November 2015 insgesamt 130 Menschen getötet. Seither gilt in ganz Frankreich der Ausnahmezustand. Im April finden in Frankreich Präsidentschaftswahlen statt - auch deshalb gilt im Land erhöhte Alarmbereitschaft. Die Sicherheit ist für viele Wähler eines der wichtigsten Themen bei der Wahl.

hej/lgr/AFP/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.