Mutmaßlicher Übergriff auf Elfjährige Richter fordern Anklage wegen Vergewaltigung

In Frankreich löste ein Prozess heftige Kritik aus, weil die Staatsanwaltschaft einen sexuellen Übergriff auf ein Mädchen als "einvernehmlichen Geschlechtsverkehr" gewertet hatte. Dem wollen die Richter nicht folgen.

Gerichtsgebäude in Pontoise
AP

Gerichtsgebäude in Pontoise


Der umstrittene Prozess zu angeblich einvernehmlichem Sex zwischen einem 28-Jährigen und einer Elfjährigen ist vertagt worden. Die Richter im französischen Pontoise erklärten, der Beschuldigte müsse wegen Vergewaltigung angeklagt werden - und verwiesen den Fall an die nächste Instanz. Der Fall hatte in Frankreich Empörung ausgelöst.

In dem Verfahren musste sich der Angeklagte zunächst wegen "sexueller Beeinträchtigung" des Mädchens verantworten, nicht wegen Vergewaltigung. Anders als in Deutschland gibt es in Frankreich kein Schutzalter für Minderjährige. Es ist den Gerichten überlassen, über die sexuelle Reife eines Kindes zu urteilen. Die Regierung unter Präsident Emmanuel Macron will dies aber nun ändern.

Die Anwältin der Familie des Mädchens sprach nach der Entscheidung der Richter von einem "Sieg für die Opfer". Ihr gehe es um die "Würde" der Elfjährigen. Die Familie hatte gefordert, den Täter wegen Vergewaltigung vor Gericht zu stellen.

Die Anwälte des Angeklagten betonten, es handele sich "nicht um Vergewaltigung", da die Elfjährige keinen Widerstand geleistet und damit ihr Einverständnis signalisiert habe. Da auch die Staatsanwaltschaft dieser Logik folgte, drohten dem Mann ursprünglich nur bis zu fünf Jahre Haft. Seine Anwälte verlangten einen Freispruch. Bei einer Verurteilung wegen Vergewaltigung hingegen müsste der Angeklagte bis zu 20 Jahre ins Gefängnis.

Eine Online-Petition für ein einheitliches Schutzalter für Minderjährige wurde von fast 370.000 Menschen unterzeichnet.

bbr/AFP

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