Frankreich Mutter ohrfeigt Lehrerin - ein Jahr Gefängnis

In Frankreich muss eine Mutter von fünf Kindern für ein Jahr in Haft, weil sie die Lehrerin ihrer Tochter mehrfach geohrfeigt hatte. Ein drastisches Urteil, das selbst die Anwältin des Opfers schockierte.


Weil sie die Lehrerin ihrer Tochter geohrfeigt hatte, ist eine Frau in Frankreich zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden.

Selbst die Anwältin der Geschädigten zeigte sich überrascht von dem hohen Strafmaß: Sie sei "schockiert über das Urteil", sagte die Juristin Julie Urcissin. Die geohrfeigte Lehrerin habe lediglich gewollt, "dass das ihr zugefügte Unrecht anerkannt wird, aber nicht, dass eine Familienmutter ins Gefängnis gesteckt wird".

Mit seinem Urteil ging das Gericht von Roanne im Zentrum des Landes noch über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus. Diese hatte zwölf Monate Haft gefordert, davon sechs auf Bewährung. Die Angeklagte, Mutter von fünf Kindern, wurde noch am Dienstagabend in Haft genommen. Dutzende Pädagogen waren zur Urteilsverkündung zum Gerichtsgebäude gekommen, um ihre Kollegin zu unterstützen.

Der Vorfall hatte sich am 23. März vergangenen Jahres in Mably nahe Roanne abgespielt. Nachdem sie eine Beule am Kopf ihrer Tochter entdeckt hatte, machte die Mutter die Lehrerin verantwortlich, verpasste ihr vor den Augen von Schülern und Eltern mehrere Ohrfeigen und riss sie am Schal und am Zopf. Die Lehrerin wurde nach dem Vorfall drei Tage krankgeschrieben. "Sie hörte nicht auf, mich zu schlagen, ich konnte mich nicht verteidigen, nur mein Gesicht schützen", sagte das Opfer der Aggression vor Gericht.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, das Urteil habe die Klägerin schockiert. Tatsächlich handelt es sich um die Anwältin des Opfers.

ala/AFP



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