Frankreich Notarzt gesteht Tötung älterer Patienten

Ältere Patienten hatten bei diesem Arzt keine lange Lebensdauer mehr: Ein französischer Mediziner hat laut "Le Parisien" zugegeben, mehrere Kranke umgebracht zu haben. "Er bedauert sein Handeln nicht", sagt sein Anwalt.


Paris - Tötete dieser Mann aus Boshaftigkeit oder Mitleid? Ein französischer Notarzt hat laut einem Zeitungsbericht gestanden, ältere, kranke Patienten mit tödlichen Injektionen umgebracht zu haben. Nachdem die Behörden der Stadt Bayonne am Freitag ein Ermittlungsverfahren wegen des ungewöhnlichen Todes von mindestens vier älteren Patienten gegen ihn eröffnet hatten, erklärte sein Anwalt Arnaud Dupin der Zeitung "Le Parisien": "Ja, er hat schon früher das Gleiche getan. Mein Mandant begleitet seit mehreren Jahren schon Patienten am Ende ihres Lebens. Ich kann nicht sagen, wie viele. Er hat vor den Ermittlern gestanden, ohne aber bei jedem Fall ins Detail zu gehen."

Dupin betonte zudem, der 50 Jahre alte Mediziner habe nicht nur mit mehreren Familien der gestorbenen Patienten, sondern auch mit Kollegen über sein Handeln gesprochen. "Er bedauert sein Handeln nicht", sagte der Anwalt. Berichten zufolge hat der Arzt die tödlichen Injektionen gesetzt, um "das Leiden seiner Patienten zu verkürzen".

Die Behörden im südwestfranzösischen Bayonne ermitteln wegen vorsätzlicher Vergiftung. Er soll mit den injizierten Medikamenten-Cocktails den sofortigen Tod seiner betagten Opfer verursacht haben. Richter setzten den Arzt am Freitagabend gegen den Willen der Staatsanwaltschaft auf freien Fuß.

Lebenslange Haftstrafe droht

Die aktuell untersuchten Vorfälle ereigneten sich den Berichten zufolge in den vergangenen fünf Monaten im städtischen Krankenhaus. Mitarbeiter des Hospitals hatten eine auffälligen Anstieg von Todesfällen bemerkt und Alarm geschlagen.

Der Notarzt war bereits am Mittwoch vorübergehend festgenommen worden. Bei allen Opfern handelte es sich um ältere Menschen, die unter Krankheiten mit lebensgefährlichen Komplikationen litten. Ob die Senioren den Arzt darum gebeten hatten, dass er sie sterben lassen möge und er womöglich aus Mitleid handelte, blieb zunächst unklar. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe, da auch aktive Sterbehilfe in Frankreich verboten ist.

yes/dpa

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insgesamt 22 Beiträge
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allereber 13.08.2011
1. Auch bei uns.
Zitat von sysopÄltere Patienten hatten bei diesem Arzt keine lange Lebensdauer mehr: Ein französischer Mediziner hat laut "Le Parisien" zugegeben, mehrere Kranke umgebracht zu haben. "Er bedauert sein Handeln nicht", sagt sein Anwalt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,780097,00.html
Ist nur die Spitze des Eisberges. Auch in Deutschland möglich. In Dortmund wurde nach dem Kriege damals teures Antibiotika Kindern verweigert, um es gegen Schnaps und Zigaretten zu tauschen.
amw52, 13.08.2011
2. Umgebracht? Vielleicht auch erlöst!
Zitat von sysopÄltere Patienten hatten bei diesem Arzt keine lange Lebensdauer mehr: Ein französischer Mediziner hat laut "Le Parisien" zugegeben, mehrere Kranke umgebracht zu haben. "Er bedauert sein Handeln nicht", sagt sein Anwalt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,780097,00.html
Vor wenigen Tagen starb meine krebskranke, zum Skelett abgemagerte 84jährige Mutter. Ihr Tod war absehbar gewesen, denn sie hatte in den letzten zwei Wochen keine Nahrung mehr zu sich nehmen und auch nur noch wenig trinken können. Trotz verabreichtem Morphium litt sie phasenweise immer wieder unter höllischen Schmerzen und wünschte sich nichts sehnlicher als den Tod. Sie beneidete ihre Katze, der sie im Jahr zuvor mit einer durch einen Tierarzt verabreichten schmerzlosen tödlichen Spritze ein langes Leiden ersparen konnte. Einem Arzt wie dem jetzt angeklagten wäre sie sehr dankbar gewesen.
al_schimpanski 13.08.2011
3. Sterben aus Solidarität
Aus dem Artikel selbst lassen sich nun nicht wirklich Umstände entnehmen, die eine "lebendigere" Diskussion erlauben würden... Aber stolze Familienverweigerer wären meiner Meinung nach ziemlich weit oben auf der Liste eines "Chors der Freiwilligen" zum rechtzeitigen Abtritt im Alter... Inwieweit sich die Leser des Artikels wohl fragen werden, war wohl besser so... Die andere Gedankenseite ist ziemlich klar...
Celegorm 13.08.2011
4. ...
Zitat von allereberIst nur die Spitze des Eisberges. Auch in Deutschland möglich. In Dortmund wurde nach dem Kriege damals teures Antibiotika Kindern verweigert, um es gegen Schnaps und Zigaretten zu tauschen.
Was bitte hat ein mutmasslicher Fall von aktiver Sterbehilfe mit Selbstbereicherung in der Nachkriegszeit zu tun? Es ist hier immer wieder faszinierend zu sehen, welch kuriose Schaltungen in den Köpfen mancher vorhanden sind..
schneewolf, 13.08.2011
5. ...
da bleibt dich nur eine Lösung: verbietet Notärzte! nur dann haben wir Sicherheit!
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