Gefängnisausbruch So gelang dem Schwerverbrecher die Flucht per Helikopter

Helfer kamen mit Sturmgewehren, brachen eine Tür auf und befreiten den Gefangenen: Nach der spektakulären Flucht eines Schwerverbrechers aus einem französischen Gefängnis geben die Behörden nun Details bekannt.

Hubschrauber, mit dem die Flucht gelang
AFP

Hubschrauber, mit dem die Flucht gelang


Die Geschichte taugt für einen Krimi: Der Schwerverbrecher Rédoine Faïd ist mit einem Helikopter aus einer Haftanstalt in Frankreich geflohen. Nun haben die Behörden mitgeteilt, wie die Flucht gelingen konnte. Demnach landete ein bewaffnetes Kommando im Innenhof des Gefängnisses.

Der Hof ist der einzige Ort im Gefängnis, der nicht mit Flugabwehrnetzen ausgestattet ist und von den Wachtürmen aus nicht zu sehen ist, wie die französische Zeitung "Le Monde" berichtet.

Demnach waren die Männer, die aus dem Helikopter sprangen, schwarz gekleidet und trugen Polizei-Armbinden. Sie versprühten Tränengas und bedrohten die Beamten mit Sturmgewehren. Anschließend brachen sie die Tür zum Besuchsraum auf, wo sich Faïd aufhielt, der gerade von seinem Bruder besucht wurde. Das Kommando befreite Faïd, und die Polizei leitete eine Großfahndung ein. Der Bruder wurde laut "Le Monde" in Gewahrsam genommen.

Rédoine Faïd, Gerichtszeichnung (Archiv)
AFP

Rédoine Faïd, Gerichtszeichnung (Archiv)

Den Hubschrauber fand die Polizei später in Gonesse, etwa 60 Kilometer von dem Gefängnis entfernt. Die Flüchtenden versuchten offenbar noch, den Helikopter in Brand zu setzen, was aber misslang.

Aus Polizeikreisen hieß es, der Hubschrauber wurde am frühen Morgen in Fontenay-Trésigny südöstlich von Paris gestohlen. Der Pilot sei zeitweise von Faïds Komplizen als Geisel genommen, später aber freigelassen worden. Der Mann erlitt einen Schock und kam ins Krankenhaus.

Weitere Flucht mit einem schwarzen Renault

Haftanstalt in Frankreich
AFP

Haftanstalt in Frankreich

Von Gonesse aus flüchteten Faïd und seine Komplizen in einem schwarzen Renault Mégane, der später ausgebrannt auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in der Region gefunden wurde. "Alle Kräfte wurden mobilisiert, um den Flüchtigen zu finden", teilte das französische Innenministerium mit. Bei der Fahndung und den Kontrollen werde "die Gefährlichkeit des Flüchtigen und seiner möglichen Komplizen" berücksichtigt.

Faïd, der nach eigenen Angaben mehrere Raubüberfälle begangen hatte, war bereits vor fünf Jahren spektakulär aus einer Haftanstalt in Nordfrankreich geflohen. Damals hatte er im Gefängnis von Lille-Séquedin vier Wächter als Geiseln genommen und sich den Weg durch fünf Gefängnistüren mit Dynamit frei gesprengt. Danach schlüpfte er in eine Uniform, stieg in ein Fluchtauto und verschwand.

In Frankreich und Belgien wurde damals sofort eine Großfahndung gestartet. Auch Interpol wurde eingeschaltet, um den als besonders gefährlich eingestuften Mann zu finden. Sechs Wochen später wurde Faïd mit einem Komplizen in einem Hotel in der Nähe von Paris gefasst.

Der Wiederholungstäter ist in Frankreich eine Berühmtheit. Vor acht Jahren veröffentlichte der Einwanderersohn, der in einem nördlichen Vorort von Paris aufwuchs, ein Buch über seine "Karriere" als Spezialist für das Ausrauben von Geldtransportern. Er tingelte durch Talkshows, berichtete, er habe sich von Kinofilmen wie "Scarface" und "Heat" inspirieren lassen, und gab sich geläutert.

Ein Jahr später wurde Faïd jedoch abermals wegen Verstößen gegen seine Bewährungsauflagen verhaftet, die ihm nach seiner Verurteilung wegen mehrerer Überfälle auf Banken und Geldtransporter gemacht worden waren. Im April schließlich verurteilte ein Berufungsgericht Faïd wegen eines versuchten Raubüberfalls, bei dem eine Polizistin ums Leben kam, zu 25 Jahren Haft.

Video: US-Hochsicherheitsgefängnis Hays - Der unmögliche Ausbruch

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kha/AFP



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