Praktikantin verliert vor Gericht Acht Monate im Supermarkt schuften, 0 Euro Lohn

Acht Monate arbeitete eine junge Frau in einem Supermarkt als Praktikantin und erhielt dafür keinen Cent. Das ist rechtens, hat nun das Landesarbeitsgericht Hamm entschieden.

Kundin in Rewe-Markt: Praktikantin hat keinen Anspruch auf Gehalt
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Kundin in Rewe-Markt: Praktikantin hat keinen Anspruch auf Gehalt


Hamm - Eine ehemalige Praktikantin ist vor dem Landesarbeitsgericht Hamm mit dem Versuch gescheitert, Arbeitslohn für ihr achtmonatiges Engagement in einem Supermarkt zu erstreiten. Das Gericht wies die Klage der jungen Frau zurück. Damit revidierte es ein Urteil des Arbeitsgerichts Bochum. Das hatte der Frau im März noch gut 17.000 Euro zugesprochen. Rewe trennte sich wenig später vom Leiter der Filiale und kündigte Konsequenzen aus dem Fall an.

Die Frau hatte von Oktober 2012 bis Juli 2013 in einem Rewe-Markt ein Praktikum gemacht. Vor Gericht argumentierte sie, sie habe insgesamt 1728 Stunden und 15 Minuten in dem Supermarkt gearbeitet. Dabei habe nicht die Ausbildung, sondern die Arbeitsleistung im Vordergrund gestanden. Ihre Tätigkeit müsse daher in Anlehnung an die Tarifregelungen im NRW-Einzelhandel mit zehn Euro pro Stunde entlohnt werden.

Die Bochumer Richter folgten dieser Argumentation und verurteilten den Arbeitgeber zu einer Nachzahlung von 17.281,50 Euro. Vor dem Landesarbeitsgericht hatte das Urteil nun keinen Bestand. Die Frau habe keinen Anspruch auf Zahlung von Arbeitsentgelt, da zwischen den Parteien kein Arbeitsverhältnis begründet worden sei, urteilten die Richter.

Zwar habe die Klägerin zumindest teilweise reguläre Arbeit gemacht. Dies sei allerdings "im Rahmen eines sozialversicherungsrechtlich geprägten Praktikantenverhältnisses" geschehen. Die Klägerin habe das Praktikum als Teilnehmerin einer berufsvorbereitenden Maßnahme der Bundesagentur für Arbeit absolviert und in dieser Zeit Leistungen der Arbeitsagentur erhalten. Die Revision ließ das Landesarbeitsgericht nicht zu.

Die Frau hatte im Oktober 2012 mit einem einmonatigen Schnupperpraktikum begonnen. Dieses verlängerte der Supermarkt mehrfach um einen Monat, immer ohne Bezahlung - und immer mit einer Lehrstelle als Köder. Nach gut vier Monaten, am 6. März 2013, schlossen die Klägerin und die Rewe-Filiale einen Ausbildungsvertrag, gültig ab dem 1. September 2013. Bis dahin sollte sie weiter unentgeltlich arbeiten. Irgendwann wollte die Frau sich nicht mehr ausbeuten lassen - und nahm sich einen Anwalt.

Urteil Landesarbeitsgericht: Az. 1 Sa 664/14

Urteil Arbeitsgericht: Az: 2 Ca 1482/13

ulz/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
jakam 17.10.2014
1.
Das ist typisch für diese Gierketten, nichts leisten wollen, aber alles schön für gar nichts haben wollen. Dieser ganze BilligBillig-Mist und die dazugehörige Attitüde auch seitens der Verbraucher ist mit schuld an solchen Auswüchsen. Eine Frechheit seitens der Marktkette, statt einer Lehrstelle die Not mittels Hoffnung auf "echte bezahlte" Arbeit auszunutzen. Bin ich froh, daß wir schon lange nicht mehr in diesen Massendreckbuden einkaufen gehen, sondern dasselbe Geld zum Biomarkt tragen und dort kaufenswerte Lebensmittel unterstützen. Zu teuer? Ist ein Ammenmärchen, das einzige, was wirklich signifikant teurer ist, sind Fleischprodukte - weil man GUTES Fleisch eben nicht "billig billig" produzieren kann. Da reduziert man einfach seinen Fleischkonsum, ist sowieso gesünder und kann stattdessen in guten Biomärkten einkaufen gehen. Keine Unterstützung für Billigstketten durch unsere Einkäufe!
glen13 17.10.2014
2.
Die Frau wurde also die ganze Zeit "im Rahmen einer berufsfördernden Maßnahme" vom Arbeitsamt bezahlt? Also hat der Staat versucht, die "junge" Frau in Arbeit zu bringen. Und die klagt dann wegen Ausbeutung? Müsste jetzt nicht der Staat wegen Ausbeutung klagen, da die "berufsfördernde Maßnahme" für die Katz war?
genlok 17.10.2014
3. Wie bei mir
Ich hab auch 0€ gekriegt für meine Ausbildung, und das ganze 5 Jahre lang. Die Schweine wollten sogar noch Geld von mir.. Sollte die UNI KL mal verklagen.
emmerot 17.10.2014
4.
Laut Artikel hat sie Geld vom Arbeitsamt bekommen, aber nicht vom Arbeitgeber... also war auch der Staat ziemlich doof. Nur der Filialleiter hat eigentlich alles richtig gemacht - - das, wofür wer bezahlt wurde, nämlich den Laden so billig wie möglich am Laufen zu halten. Und der ist rausgeflogen. Interessant.
_stordyr_ 17.10.2014
5.
passt doch super ins Bild... Liebe Landsleute... Diese Menschen sind alle der Meinung, dass Eure Arbeit nichts wert ist. NICHTS Und das is auch noch zu teuer. Ihr müsst gefälligst das nicht verdiente Geld auch bei ihnen ausgeben....
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