Heimliche Aufnahmen: Frauenarzt wegen Intimfotos von Patientinnen angeklagt
Ein Frauenarzt aus Rheinland-Pfalz soll jahrelang heimlich Intimfotos von Patientinnen gemacht haben. Nun hat die Staatsanwaltschaft den Mediziner angeklagt. Es geht um fast 1500 Einzeltaten.
Frankenthal - Die Staatsanwaltschaft Frankenthal hat gegen einen Frauenarzt aus dem rheinland-pfälzischen Schifferstadt Anklage erhoben - wegen heimlich aufgenommener Fotos von Hunderten Patientinnen. Ihm werde vorgeworfen, von Mai 2008 bis August 2011 im Behandlungszimmer seiner Arztpraxis mit einer versteckten Kamera den Genitalbereich der Patientinnen fotografiert und teils auch kurze Videos angefertigt zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Es gehe um insgesamt 1484 Einzeltaten.
Der Arzt soll einige Frauen auch heimlich in der Umkleidekabine fotografiert haben, die zum Behandlungsraum gehörte. In zehn Fällen soll er die Untersuchung ausgenutzt haben, um sexuelle Handlungen an seinen Patientinnen vorzunehmen, die er filmte.
Der Mediziner bestreitet laut Staatsanwaltschaft den Missbrauch und gibt an, er habe die Videos aus medizinischen Gründen gedreht. Die Fotos habe er zum privaten Gebrauch gemacht und zuletzt fast täglich Dutzende Male auf den Auslöser gedrückt. Weitergegeben hat er die Aufnahmen nach Erkenntnissen der Ermittler nicht.
Die Patientinnen schöpften der Mitteilung zufolge keinen Verdacht, sie nahmen an, das Vorgehen des Arztes gehöre zur Untersuchung. Der Fall war im September 2011 erst ans Licht gekommen, nachdem Arzthelferinnen stutzig geworden waren und sich an die Polizei gewandt hatten. Insgesamt hätten 266 Patientinnen einen Strafantrag gegen ihn gestellt, hieß es.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann neben sexuellem Missbrauch die "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs" der Frauen vor, und hat ein Berufsverbot beantragt. Derzeit ruht die Zulassung des Arztes. Auch illegale Waffen fanden die Ermittler bei ihm. Im Fall einer Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs droht dem Mann eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Einen Prozesstermin nannte das Gericht bislang nicht.
wit/dpa/dapd
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