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Intimfotos von Patientinnen: Frauenarzt muss ins Gefängnis

Angeklagter Arzt (r.), Anwalt: Mehr als tausend Schmerzensgeldklagen gegen Mediziner Zur Großansicht
DPA

Angeklagter Arzt (r.), Anwalt: Mehr als tausend Schmerzensgeldklagen gegen Mediziner

Über Jahre machte er Zehntausende Fotos: Das Landgericht Frankenthal hat einen Frauenarzt zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der Mediziner ist nach Ansicht der Richter des sexuellen Missbrauchs und vielfacher Verletzung der Intimsphäre von Patientinnen schuldig.

Frankenthal - Zehntausende Fotos und Dutzende Videos machte der Frauenarzt Joachim K. von seinen Patientinnen. Dafür muss der Mediziner nun ins Gefängnis. Das Landgericht Frankenthal verurteilte ihn zu dreieinhalb Jahren Haft - der Gynäkologe aus Schifferstadt habe in mehr als 1400 Fällen den "höchstpersönlichen Lebensbereich" seiner Patientinnen verletzt und sich des sexuellen Missbrauchs in drei Fällen schuldig gemacht.

Damit blieb das Gericht nur wenig unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte vier Jahre Haft und ein Berufsverbot verlangt, die Nebenklage hatte sich dem weitgehend angeschlossen. Die Verteidigung hatte auf zwei Jahre Haft auf Bewährung plädiert, da der Arzt ein Geständnis abgelegt, den Patientinnen keine Schmerzen zugefügt und die Bilder nicht weiterverbreitet habe.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Gynäkologen aus Schifferstadt vor, von Mai 2008 bis August 2011 mit Foto- und Videoaufnahmen in 1484 Fällen den "höchstpersönlichen Lebensbereich" seiner Patientinnen verletzt zu haben. Außerdem habe er sie in zehn Fällen sexuell missbraucht. Ermittler hatten im Fall Joachim K. insgesamt 36.146 Lichtbilder und 62 Videodateien sichergestellt. Polizisten sprachen von einem bundesweit einmaligen Fall.

"Ich schäme mich"

Die Aufnahmen zeigen die nackten Genitalien der Frauen, an denen der Arzt manuell oder mit Gegenständen Handlungen durchführt, die scheinbar der Untersuchung, tatsächlich aber wohl seiner sexuellen Erregung und Stimulierung dienten. Auch soll er unbemerkt nackte Patientinnen in der Umkleidekabine oder auf der Liege im Behandlungsraum fotografiert haben. Mehr als tausend Frauen haben den Arzt auf Schmerzensgeld verklagt.

Der Mediziner hatte sich bei den Opfern entschuldigt. In der Praxis habe seine "dunkle Seite" überhandgenommen. "Von ganzem Herzen" bat der Frauenarzt die Geschädigten um Entschuldigung. "Ich schäme mich."

Anwälte früherer Patientinnen hielten die Entschuldigung für unglaubwürdig. Sie sei zu spät und zu unspezifisch gewesen - und offensichtlich nur dem Druck des Verfahrens geschuldet. Ihre Mandantinnen wollten keine gynäkologische Praxis mehr aufsuchen oder sich nur noch von einer Frau untersuchen lassen.

Dem Angeklagten ging es nach eigener Aussage um Macht

Auf dem Computer des Mannes waren die Aufnahme in Ordner sortiert, benannt etwa "thai", "rus" oder "türk" für Patientinnen thailändischer, russischer oder türkischer Herkunft. Der Mediziner hatte ausgesagt, es sei ihm um Macht, aber nicht um sexuelle Erregung gegangen. Als Kind sei er missbraucht worden, sei in einem Elternhaus ohne Zärtlichkeit aufgewachsen. "Ich will mich nicht mit dem Missbrauch rausreden, aber ich fühle mich in meiner schicksalhaften Biografie nicht ausreichend gewürdigt", sagte er.

Die Machenschaften des Arztes waren jahrelang unbemerkt geblieben. Der Mediziner flog auf, als zwei langjährige Arzthelferinnen hörten, dass ihr Chef dauernd die Sekretschublade des Gynäkologenstuhls öffnete und schloss. Dies ist normalerweise nur selten notwendig. Zudem war die Lehne des Behandlungsstuhls fast waagerecht eingestellt, so dass die Patientinnen liegen mussten und nicht sahen, was K. tat. Als die Arzthelferinnen nachschauten, entdeckten sie in der Schublade eine Digitalkamera mit Bildern.

ulz/dpa

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