Frei nach 16 Jahren: Sedlmayr-Mörder aus Haft entlassen

16 Jahre saß Wolfgang W. wegen gemeinschaftlichen Mordes an Volksschauspieler Walter Sedlmayr in Haft, bei ihm wurde seinerzeit eine besondere Schwere der Schuld festgestellt - jetzt ist er wieder in Freiheit. Auch sein Halbbruder Manfred L. könnte noch dieses Jahr freikommen.

München - Wolfgang W., einer der beiden Mörder des Volksschauspielers Walter Sedlmayr, ist nach 16 Jahren wieder auf freiem Fuß. Das bestätigte ein Sprecher des Justizministeriums Hessen. Der Bayerische Rundfunk hatte zuvor berichtet, dass der Haupttäter schon am Dienstag aus der Haftanstalt im hessischen Schwalmstadt entlassen wurde.

Walter Sedlmayr (1988): Beide Brüder beteuern bis heute ihre Unschuld
DPA

Walter Sedlmayr (1988): Beide Brüder beteuern bis heute ihre Unschuld

Die beiden Halbbrüder W. und Manfred L. waren 1993 wegen gemeinschaftlichen Mordes und gemeinschaftlichen schweren Raubes an dem Volksschauspieler je zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Sedlmayr war dem Urteil in dem aufsehenerregenden Indizienprozess zufolge im Juli 1990 gefesselt, gefoltert, mit einem Messer und einem Hammer getötet worden.

Beide Brüder beteuern bis heute ihre Unschuld. Eine Revision verwarf der Bundesgerichtshof 1994, zuletzt scheiterten die Verurteilten im Januar dieses Jahres mit Wiederaufnahmeanträgen.

Bei dem Verurteilten W. wurde eine besondere Schwere der Schuld festgestellt, weil er L. in die Tat hineingezogen habe - das macht eine Entlassung auf Bewährung nach 15 Jahren unmöglich. W. beantragte dennoch laut "Süddeutscher Zeitung" nach 14 Jahren im Gefängnis die Freilassung. Er habe in Hessen eine Frau gefunden und geheiratet. "W.s Prognosen sind in Ordnung", sagte sein Anwalt Bernhard Schroer der Zeitung im vergangenen Jahr in einem Interview. Schon als er sich im Februar 2002 aus dem Gefängnis Straubing nach Hessen verlegen ließ, habe Roman Poseck vom Hessischen Justizministerium mitgeteilt, dass nach einer 16-jährigen Haftstrafe "die Kammer eine Entlassung für möglich hält".

Laut "Süddeutscher Zeitung" liegt in Bayern die Haftdauer bei besonderer Schwere der Schuld im Schnitt bei 21 bis 22 Jahren. Bei L. wurde diese nicht festgestellt - auch er kann möglicherweise noch in diesem Jahr auf seine Freilassung hoffen. L. sitzt im Gefängnis Straubing. "Momentan gilt für ihn eine Vollzugslockerung", sagte der Münchner Oberstaatsanwalt Anton Winkler. Jetzt komme es darauf an, wie gut er sich verhalte.

tno/ddp

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