Missbrauchsfall in Staufen Angeklagter spricht von Drohungen gegen Mutter des Kindes

Im Fall des missbrauchten Jungen aus Staufen hat der Angeklagte Christian L. berichtet, wie er die Mutter des Kindes unter Druck setzte. So will er sie dazu gebracht haben, sich an Misshandlungen zu beteiligen.

Christian L. mit Anwälten
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Christian L. mit Anwälten


Im Hauptprozess um den jahrelangen Missbrauch eines Kindes bei Freiburg hat der Angeklagte von Drohungen gegenüber der Mutter des Jungen berichtet. "Ich habe Druck ausgeübt", sagte der 39-Jährige vor dem Landgericht Freiburg. So habe er erreicht, dass die Mutter des heute neun Jahre alten Jungen den Verbrechen zugestimmt und sich selbst aktiv beteiligt habe.

Er habe der Frau gedroht, sie zu verlassen und das Jugendamt zu informieren. Die heute 48-Jährige habe von allen Misshandlungen gewusst und sie unterstützt. Christian L. hatte am ersten Prozesstag ein Geständnis abgelegt und betont, alle Initiative sei von ihm ausgegangen.

Der Frau und ihrem wegen schweren Kindesmissbrauchs vorbestraften Lebensgefährten wird vorgeworfen, den Jungen mehr als zwei Jahre lang im Internet angeboten und Männern gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen zu haben. Zudem sollen sie das Kind auch selbst mehrfach sexuell missbraucht haben.

Sie sollen auch ein drei Jahre altes Mädchen gemeinsam sexuell missbraucht haben. Die Taten wurden laut Anklage gefilmt. Die Aufnahmen dienen nun als Beweis. "Es sind heftige Filme", sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin. Gezeigt würden sie im Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

"Das Gefühl, dass sie ihn liebt, hat die Mutter dem Jungen nie gegeben"

Das Paar hatte sich den Angaben zufolge an der örtlichen Tafel getroffen, einem Lebensmittelversorger für Bedürftige. Neben einem sexuellen Interesse habe es ein finanzielles Motiv gegeben, sagte Christian L. Mit dem Geld, das Männer für Vergewaltigungen zahlten, "haben wir unseren Lebensunterhalt bestritten". Dies sei auch dem Jungen gegenüber deutlich gemacht worden, damit dieser sich nicht wehre oder sich weigere.

Er habe mit der Frau und dem Kind gelebt "wie eine Familie", sagte der L.: Für ihn sei es bequem gewesen, sich von der Frau bedienen zu lassen. Die Mutter sei mit ihrem Leben und dem Jungen überfordert gewesen. Er habe dies genutzt und sich an dem Jungen vergangen. "Das Gefühl, dass sie ihn liebt, hat die Mutter dem Jungen nie gegeben", sagte der Mann.

Die Mutter hat bislang geschwiegen. Nach Angaben ihres Anwalts Matthias Wagner will sie sich im Laufe des Prozesses unter Ausschluss der Öffentlichkeit äußern. Die Frau und ihr Lebensgefährte gelten als Hauptbeschuldigte in dem Fall. Ein Urteil wird es Gerichtsangaben zufolge frühestens Mitte Juli geben.

Insgesamt gibt es in dem Fall acht Tatverdächtige - gegen zwei von ihnen sind bereits Urteile ergangen. Im April verurteilte das Freiburger Landgericht einen Gelegenheitsarbeiter zu zehn Jahren Freiheitsstrafe und ordnete Sicherungsverwahrung an. Der Mann hatte gestanden, den Jungen zweimal vergewaltigt zu haben. Wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, Vergewaltigung, Zwangsprostitution und des Besitzes von Kinderpornografie wurde Mitte Mai zudem ein Stabsfeldwebel der Bundeswehr zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

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ulz/dpa

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