Missbrauchsfall in Staufen Angeklagter legt Geständnis ab

Vergewaltigung und Zwangsprostitution wirft die Staatsanwaltschaft Christian L. vor - im Staufener Missbrauchsprozess hat er die Taten erneut eingeräumt. Die mitangeklagte Mutter des Opfers kündigte eine Aussage an.

Christian L. (rechts) mit Justizbeamten
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Christian L. (rechts) mit Justizbeamten


Im Prozess gegen die beiden Hauptbeschuldigten im Missbrauchsfall von Staufen hat der Lebensgefährte der Mutter des Opfers ein weitgehendes Geständnis abgelegt. Die Anklage sei "bis auf ein paar Kleinigkeiten" richtig, sagte Christian L. vor dem Landgericht Freiburg.

Der 39-Jährige hat laut Staatsanwaltschaft einen mittlerweile neun Jahre alten Jungen vergewaltigt und zusammen mit dessen Mutter Berrin T. anderen Männern für Vergewaltigungen überlassen.

L. sagte nun, die Initiative sei immer von ihm ausgegangen, er habe die Mutter des Kindes unter Druck gesetzt: "Ich war die treibende Kraft." Die Mutter habe daher ihren Sohn für die Missbrauchshandlungen zur Verfügung gestellt - aus Angst, er könnte die Beziehung beenden.

Dem Paar werden unter anderem schwere Vergewaltigung und Zwangsprostitution in jeweils knapp 50 Fällen zur Last gelegt. L. hatte die Taten bereits in einem anderen Prozess als Zeuge eingeräumt.

Der wegen Kindesmissbrauchs vorbestrafte L. gilt als Haupttäter in dem Missbrauchsskandal, der vor fünf Monaten bekannt wurde. Gemeinsam mit Berrin T. soll er den heute neun Jahre alten Jungen vielfach selbst missbraucht, ihn mehr als zwei Jahre lang im Internet angeboten und Männern aus dem In- und Ausland gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen haben. In der mehr als hundert Seiten langen Anklageschrift ist außerdem die Rede von Fesselungen, extremen Demütigungen, Beschimpfungen, Drohungen sowie körperlicher Gewalt.

Auch die Mutter des Tatopfers kündigte über ihren Verteidiger eine umfassende Aussage an. Allerdings beantragte ihr Verteidiger den Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Entscheidung steht noch aus.

Jugendamt und Justiz stehen in dem Fall in der Kritik. Ihnen wird vorgeworfen, den Jungen nicht geschützt zu haben. Insgesamt gibt es acht Tatverdächtige. Jeder von ihnen ist einzeln angeklagt. Gegen zwei Männer hat das Freiburger Landgericht bereits Urteile gefällt.

Video: Zur Vergewaltigung angeboten

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bbr/AFP/dpa

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