Staufener Missbrauchsfall Vergewaltigungsprozess gegen Bundeswehrsoldaten hat begonnen

Christian L. und Berrin T. missbrauchten einen Neunjährigen vielfach - und boten ihn für Übergriffe an. Vor Gericht steht nun ein Stabsfeldwebel, der den Jungen gegen Geld missbraucht haben soll.

Der Angeklagte im Landgericht
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Der Angeklagte im Landgericht


Nach dem jahrelangen Missbrauch eines Jungen im Breisgau hat der Prozess gegen einen Soldaten der Bundeswehr begonnen. Staatsanwältin Nikola Novak warf dem Stabsfeldwebel zu Prozessauftakt am Landgericht Freiburg vor, das Kind zweimal vergewaltigt zu haben.

Der 50-Jährige soll den Jungen gemeinsam mit dessen Mutter und Stiefvater missbraucht haben. Die Taten habe er gefilmt und die Aufnahmen an andere Menschen weitergeleitet. Für die sexuellen Übergriffe, die sich im Freien in Staufen südlich von Freiburg ereigneten, habe er dem Stiefvater und dem Jungen Geld gezahlt.

Angeklagt ist der Mann unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, Zwangsprostitution und Körperverletzung. "Es handelt sich um besonders grausame und menschenverachtende Taten", sagte die Staatsanwältin. Das Kind habe keine Chance gehabt, sich zu wehren. Es sei vor laufender Handykamera von dem Trio erniedrigt, gefesselt und vergewaltigt worden. "Es wurde ihm angedroht, dass er ins Heim komme, wenn er nicht gehorche."

Vorläufig vom Dienst suspendiert - darf keine Uniform mehr tragen

Der heute neun Jahre alte Junge aus Staufen war den Angaben zufolge mehr als zwei Jahre lang von Männern aus dem In- und Ausland vergewaltigt worden. Die 48 Jahre alte Mutter Berrin T. und ihr 39 Jahre alter Lebensgefährte Christian L. sollen ihn hierfür im Internet angeboten haben. L. hatte im ersten Prozess gegen einen bereits verurteilten Mann die Taten eingeräumt. Der 41-Jährige wurde zu zehn Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

Der im Elsass nahe der deutsch-französischen Grenze lebende Soldat ist einer von insgesamt acht Tatverdächtigen in dem Fall. Ein Urteil soll es frühestens kommende Woche geben. Die Staatsanwaltschaft will nach eigenen Angaben eine lange Haftstrafe sowie anschließende Sicherungsverwahrung erreichen.

Nach einem erfolgreichen Antrag seines Verteidigers durfte sich der Angeklagte hinter verschlossenen Türen äußern. Auch für das Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen, die Plädoyers und für das letzte Wort des Angeklagten soll die Öffentlichkeit zum Schutz der Persönlichkeitsrechte des Angeklagten ausgeschlossen werden. Weitere Teile der Beweisaufnahme und das Urteil sollen dagegen öffentlich sein.

Der Soldat sitzt in Untersuchungshaft. Er war im vergangenen Oktober in seiner Kaserne der deutsch-französischen Brigade in Illkirch-Graffenstaden bei Straßburg im Elsass festgenommen worden. Dort war er laut Gericht Stabsfeldwebel. Nach Angaben des Heeres ist er vorläufig des Dienstes enthoben und darf keine Uniform mehr tragen.

Aktenzeichen: 6 KLs 160 und Js 33561/17

apr/dpa

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