Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Tödliche Selbstjustiz: Lange Haftstrafen für Vater und Sohn

Angeklagter Vater Moustapha Y. (blauer Pullover), Sohn Akram (Archiv): Urteil in Freiburg Zur Großansicht
DPA

Angeklagter Vater Moustapha Y. (blauer Pullover), Sohn Akram (Archiv): Urteil in Freiburg

Das Landgericht Freiburg hat einen 48-Jährigen zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Mann hatte den mutmaßlichen Vergewaltiger seiner Tochter ermordet - gemeinsam mit seinem Sohn, der ebenfalls ins Gefängnis muss.

Im Prozess um einen Fall tödlicher Selbstjustiz ist der 18 Jahre alte Akram Y. zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden. Sein Vater Moustapha Y. erhielt eine lebenslange Haftstrafe. Das Landgericht Freiburg sprach die beiden wegen Mordes schuldig.

Der junge Mann hatte zugegeben, im Juni 2014 im baden-württembergischen Neuenburg am Rhein gemeinsam mit dem Vater den mutmaßlichen Vergewaltiger seiner Schwester in einen Hinterhalt gelockt und getötet zu haben. Weil der Schüler zur Tatzeit 17 Jahre und damit nicht volljährig war, wurde er nach Jugendstrafrecht verurteilt. Ihm hatten maximal zehn Jahre Haft gedroht.

Das Opfer, ein 27 Jahre alter Mann, starb noch am Tatort durch 23 Messerstiche in Körper, Gesicht und Hals. Die Polizei hatte nach dem mutmaßlichen Vergewaltiger in den Tagen vor dem Mord gefahndet, konnte ihn jedoch nicht finden. Die Familie machte sich eigenständig auf die Suche. Vater und Sohn hatten den Angriff auf das wehrlose Opfer vor Gericht zwar eingeräumt, eine Tötungsabsicht jedoch bestritten.

Neben Vater und Sohn wurden zwei Komplizen, 19 Jahre und 21 Jahre alt, verurteilt. Der 21-Jährige, der das Opfer nach Überzeugung des Gerichts während der tödlichen Attacken festgehalten hatte, muss für fünf Jahre ins Gefängnis. Der 19-Jährige, der das Treffen arrangiert hatte, wurde zu zwei Jahren auf Bewährung nach Jugendstrafrecht verurteilt.

wit/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Spektakuläre Fälle von Selbstjustiz
Januar 2014: Zwei Tote in Frankfurt
Im Frankfurter Gerichtsviertel werden zwei Männer getötet. Der mutmaßliche Täter gibt als Motiv Rache für seinen toten Bruder an. Er habe von den Gerichten keine Gerechtigkeit erwartet. Der Bruder war 2007 im Streit um einen Parkplatz erstochen worden. Beschuldigt waren die beiden Männer, gegen die nun gerade wieder ein Revisionsprozess lief.
Juni 2009: Rentner entführt Vermögensberater
Ein Rentner entführt seinen Vermögensberater aus Speyer an den Chiemsee und hält ihn tagelang im Keller seines Hauses gefangen. Er fühlte sich um rund 2,4 Millionen Euro geprellt. Im Prozess gegen ihn vor dem Landgericht Traunstein spricht der Vorsitzende Richter von einem "spektakulären und aufsehenerregenden Fall der Selbstjustiz".
Februar 2004: Mann erschießt Fluglotsen
Ein Russe, der im Juli 2002 bei der Flugzeugkatastrophe von Überlingen am Bodensee seine Frau und seine beiden Kinder verlor, ersticht einen Mitarbeiter der Schweizer Flugsicherung Skyguide. Er hatte in dem Flugverkehrsleiter, der in der Unglücksnacht allein im Zürcher Kontrollzentrum im Einsatz war, den Hauptschuldigen der Tragödie gesehen.
März 1981: Schüsse im Gerichtssaal
Die Gastwirtin Marianne Bachmeier erschießt in einem Lübecker Gerichtssaal den mutmaßlichen Mörder ihrer siebenjährigen Tochter. Die Tat der damals 31-Jährigen löst in der Öffentlichkeit eine heftige Diskussion um Selbstjustiz und den Umgang der Justiz mit Sexualstraftätern aus.

Quelle: dpa


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: