Mordprozess in Freiburg Fall Hussein K. - Anwälte zweifeln an Altersangaben des Vaters

Hussein K. soll eine Studentin vergewaltigt und getötet haben, vor Gericht ist immer wieder sein Alter ein Thema. Anklage und Verteidigung haben nun angekündigt, sich nicht auf die Angaben seines Vaters zu stützen.

Hussein K. im Landgericht Freiburg (Archivbild)
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Hussein K. im Landgericht Freiburg (Archivbild)


Im Freiburger Mordprozess gegen Hussein K. ist das ungeklärte Alter des Angeklagten erneut ein Thema gewesen. Staatsanwalt und Verteidiger wollen sich nach eigenen Angaben nicht auf die Informationen des Vaters von K. stützen.

Die Aussagen des Mannes ließen keine verlässlichen Schlüsse auf das Alter des Angeklagten zu, sagte Oberstaatsanwalt Eckart Berger. Verteidiger Sebastian Glathe schloss sich dem an. Der in Iran lebende Vater hatte in einem Telefonat mit der Richterin vor zwei Monaten ein Geburtsdatum genannt, nach dem Hussein K. heute 33 Jahre alt wäre. Dies sei aber nicht glaubwürdig, sagte der Staatsanwalt nun.

Die Frage, wie alt der vor der Jugendkammer stehende Mann ist, hat große Bedeutung in dem seit rund fünf Monaten laufenden Prozess und Auswirkungen auf die Höhe der Strafe. Hussein K. hatte ursprünglich angegeben, aus Afghanistan zu kommen und 16 oder 17 Jahre alt zu sein. Zum Prozessauftakt gab er dann zu, gelogen zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hält ihn für mindestens 22 Jahre alt und fordert eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht. Gutachten und Zeugenaussagen stützen dies. Dokumente, die ein Alter belegen, gibt es nicht. K. war 2015 als Flüchtling ohne Papiere nach Deutschland gekommen und von den Behörden ohne Untersuchung als minderjährig eingestuft worden.

"Seelische Belastung der Angehörigen"

In dem Prozess sagten nun zudem zwei Sachverständige des Landeskriminalamtes aus. Sie hatten unter anderem Spuren vom Tatort untersucht und bescheinigten, dass der Täter äußerst gewaltsam vorgegangen sei. In der Nähe der Leiche waren DNA-Spuren von Hussein K. gefunden worden, diese führten zu seiner Festnahme.

Die Eltern der getöteten Studentin sind Nebenkläger in dem Prozess. Ihr Anwalt beantragte, für den geplanten Bericht des Rechtsmediziners zur Obduktion der Leiche die Öffentlichkeit auszuschließen. Die detaillierte Darstellung bedeute eine "schwerwiegende seelische Belastung der Angehörigen". Staatsanwalt und der Verteidiger des Angeklagten unterstützen den Antrag. Darüber entschieden hat das Gericht noch nicht.

Hussein K. werden Mord und besonders schwere Vergewaltigung vorgeworfen. Er hat gestanden, im Oktober 2016 nachts in Freiburg eine 19 Jahre alte Studentin vergewaltigt und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt zu haben. Die Frau ertrank im Wasser des Flusses Dreisam.

Der Prozess wird am 20. Februar fortgesetzt. Befragt werden sollen dann ein Rechtsmediziner sowie ein Polizeibeamter, der das Handy des Angeklagten ausgewertet hat.

bbr/dpa

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