Angeklagter im Fall Maria L. Hussein K. hat bei seinem Alter gelogen

Im Mordprozesses um die getötete Studentin Maria L. hat Hussein K. von seinem Leben erzählt. Der Angeklagte gab zu, bei seinem Alter falsche Angaben gemacht zu haben.


Der wegen Mordes an einer 19-jährigen Studentin in Freiburg angeklagte Hussein K. hat zugegeben, über sein Alter gelogen zu haben. Bei der Ankunft in Deutschland im Jahr 2015 sei er bereits 18 und nicht, wie damals von ihm behauptet, 16 Jahre alt gewesen. Er habe zur Schule gehen wollen, sagte der junge Flüchtling vor dem Freiburger Landgericht.

"Wenn man minderjährig ist, ist die Situation in Deutschland besser." Sein Alter ist eine zentrale Frage im Prozess. Angeklagt ist er vor der Jugendkammer, er kann jedoch je nach Bewertung des Gerichts auch nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden. Die Staatsanwaltschaft hält ihn für mindestens 22; zwei Altersgutachten sollen dies im Laufe des Prozesses untermauern. Papiere mit Geburtsdatum oder Angaben zur Herkunft gibt es nicht.

Dem jungen Flüchtling wird zur Last gelegt, die 19-jährige Maria L. im vergangenen Oktober in Freiburg vergewaltigt und ermordet zu haben. Die bewusstlose Frau ertrank im seichten Ufergewässer des Flusses Dreisam, wo der Täter sie nach der Vergewaltigung abgelegt haben soll. Die Staatsanwaltschaft beantragte Sicherungsverwahrung für den Angeklagten.

Nachdem er während der etwa zehnmonatigen Untersuchungshaft keinerlei Angaben gemacht hatte, kündigte K. zu Prozessbeginn überraschend eine Aussage an. Die Öffentlichkeit wurde von Teilen der Aussage ausgeschlossen. Die Zuschauer müssten den Saal verlassen, sobald der Beschuldigte unter anderem Angaben zu seiner Sexualbiografie mache, sagte die Vorsitzende Richterin. Fragen zu einer weiteren Gewalttat an einer jungen Frau in Griechenland vor seiner Flucht nach Deutschland wurden nicht zugelassen.

K. erzählte zunächst von seinem Lebensweg: Er sei in Afghanistan geboren und aufgewachsen und nach etwa 13 Jahren nach Iran gekommen. Nach "Problemen mit der Polizei" flüchtete er in die Türkei, von dort nach Griechenland und dann nach Deutschland. In Griechenland habe er nichts zu essen gehabt, von Abfällen und zeitweise ohne Obdach gelebt.

Für die Zeit in Deutschland berichtete er von erheblichem Drogen- und Alkoholmissbrauch. Er habe über Monate mit Freunden Haschisch geraucht, getrunken und zweimal in der Woche auch Heroin konsumiert.

asa/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.