Missbrauchsfall in Staufen "Es wurde immer noch schlimmer"

Jahrelang wurde ein Kind im Breisgau schwer missbraucht. Vor Gericht ging es nun um das Opfer: Einer Polizistin zufolge geht es ihm so schlecht, dass es nicht einmal psychologisch betreut werden kann.

Mahnwache vor dem Landgericht Freiburg
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Mahnwache vor dem Landgericht Freiburg


Im Missbrauchsfall von Staufen hat eine Polizistin vor Gericht die aktuelle Situation des neunjährigen Opfers geschildert. Der Junge sei derzeit damit beschäftigt, "in seinem neuen Leben anzukommen". Dabei werde er auch von der Polizei unterstützt. Den Angaben zufolge lebt das Kind inzwischen bei einer Pflegefamilie.

Die Beamtin betreut den Jungen, der im Juli zehn Jahre alt wird. Sie sagte als Zeugin im Prozess gegen einen der Angeklagten aus, einen 37-Jahre alten Mann aus der Schweiz. Auf die Verbrechen angesprochen, sei der Junge "verschlossen", sagte die Polizistin. Er höre zwar zu, äußere sich aber nicht zu Taten oder mutmaßlichen Tätern. Vor Gericht aussagen wolle er nicht.

Nach seiner Mutter frage er inzwischen nicht mehr. Die 48-Jährige und ihr wegen schweren Kindesmissbrauchs vorbestrafter Lebensgefährte sind Hauptbeschuldigte in dem Fall. Das Paar soll den Jungen auch selbst jahrelang missbraucht haben, in der vergangene Woche begann der Prozess (mehr zu dem Fall lesen Sie hier).

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Der Junge wurde laut Ermittlungen mehr als zwei Jahre lang von Männern aus dem In- und Ausland vergewaltigt. Die Mutter und ihr Lebensgefährte sollen ihn hierfür im Internet angeboten und Geld kassiert haben. Es gibt insgesamt acht Verdächtige. Der 37-jährige Schweizer hat gestanden, den Jungen dreimal vergewaltigt und dafür Geld gezahlt zu haben. Ein Urteil in diesem Fall soll es im Juli geben, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin.

Die Polizistin sagte, der Junge benötige wohl noch jahrelang Hilfe. Für eine psychologische Betreuung des Kindes sei es nach Ansicht von Experten noch zu früh, sagte die Beamtin. "Es braucht noch ein bis zwei Jahre, bis er eine Therapie ansatzweise beginnen kann."

Vor Gericht äußerte sich auch ein weiterer Beamter, der Aufnahmen der Taten ausgewertet hat. "Es ist schwer und schlimm, diese Sachen zu sehen", sagte er. "Ich dachte, es kann nicht noch schlimmer werden. Und es wurde immer noch schlimmer."

mxw/dpa

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