Missbrauchsfall in Staufen Staatsanwaltschaft fordert zwölf Jahre Haft für 33-Jährigen

Ein Spanier vergewaltigte einen Jungen aus dem Breisgau mehrfach. Dafür soll er zwölf Jahre ins Gefängnis, fordern Staatsanwaltschaft und Nebenklageanwältin.

Angeklagter im Landgericht Freiburg
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Angeklagter im Landgericht Freiburg


Im Prozess gegen einen 33-Jährigen wegen des Missbrauchs eines Kindes in Staufen hat die Staatsanwaltschaft zwölf Jahre Gefängnis gefordert. Zudem solle unter Vorbehalt anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet werden, sagte Staatsanwältin Nikola Novak vor dem Landgericht Freiburg.

Die Anwältin der Nebenklage, die das Missbrauchsopfer vertritt, forderte ebenfalls zwölf Jahre Haft sowie die sofortige Anordnung von Sicherungsverwahrung. Die Verteidigerin verzichtete auf konkrete Forderungen. Das Urteil will das Gericht am Montag verkünden.

Hintergrund
Lebenslange Freiheitsstrafe

Die höchste Strafe, die ein Gericht in Deutschland verhängen kann. Bei Mord ist sie zwingend vorgeschrieben. Aber auch bei anderen besonders schlimmen Verbrechen, etwa Vergewaltigung mit Todesfolge, kann das Urteil „lebenslang“ lauten. Im strengen Wortsinn wird der Täter damit endgültig eingesperrt. Mit Blick auf die Menschenwürde muss er aber eine konkrete Chance haben, später wieder freizukommen. Die lebenslange Freiheitsstrafe kann daher nach frühestens 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden. Der Täter kommt aber nur frei, wenn man ihn dann als nicht mehr gefährlich ansieht. Dafür wird ein Gutachter hinzugezogen und das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung berücksichtigt.

Besondere Schwere der Schuld

Die vorzeitige Entlassung auf Bewährung nach 15 Jahren scheidet in der Regel aus, wenn das Gericht im Urteil die „besondere Schwere der Schuld“ festgestellt hat. Die Richter müssen hierzu Tat und Persönlichkeit des Täters würdigen. Sie prüfen, ob Umstände vorliegen, die das Aussetzen der lebenslangen Freiheitsstrafe nach 15 Jahren unangemessen erscheinen lassen. Das können etwa ein besonders brutales Vorgehen, sadistische Motive des Täters oder die Ermordung mehrerer Menschen durch eine Tat sein. Wird die besonders schwere Schuld festgestellt, muss die Strafvollstreckungskammer nach 15 Jahren die weitere Mindesthaftdauer festlegen. Auch in diesem Fall kommt der Verurteilte erst dann frei, wenn er nicht mehr als gefährlich gilt - vorausgesetzt, er selbst will freikommen.

Sicherungsverwahrung

Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Gericht neben einer Freiheitsstrafe anschließende Sicherungsverwahrung anordnen. Sie kommt sowohl bei lebenslangem als auch bei kürzerem Freiheitsentzug in Betracht. Dies dient allein dem Schutz der Allgemeinheit vor gefährlichen Tätern. Sicherungsverwahrte müssen getrennt von den Gefangenen untergebracht werden. Sie haben bessere Alltagsbedingungen und werden intensiv betreut. Es wird regelmäßig geprüft, ob die Unterbringung noch erforderlich ist.

Die Anordnung der Sicherungsverwahrung neben einer lebenslangen Freiheitsstrafe wirkt eigentlich überflüssig. Denn solange der Täter gefährlich ist, muss er im Gefängnis bleiben. Und ist er nicht mehr gefährlich, kommt er nicht in Sicherungsverwahrung, sondern nach frühestens 15 Jahren auf Bewährung frei. Die Entscheidung ist trotzdem nicht sinnlos: Dem Täter muss dann schon im Gefängnis eine umfassende therapeutische Betreuung angeboten werden. Außerdem kann er nach seiner möglichen Entlassung länger und intensiver überwacht werden.

Sonderfall bei Heranwachsenden

Wer bei einer Straftat schon volljährig, aber noch nicht 21 Jahre alt war, muss sich als sogenannter Heranwachsender in einem Jugendstrafverfahren verantworten. Stellt das Gericht fest, dass der Täter in seiner Entwicklung einem Jugendlichen gleichstand, kann es höchstens zehn Jahre Jugendstrafe verhängen, bei einem Mord und besonders schwerer Schuld bis zu 15 Jahre. Wenn die Richter keine Reifeverzögerung sehen, wenden sie normales Erwachsenenstrafrecht an. Selbst dann dürfen sie den Täter bei Mord statt zu lebenslanger Freiheitsstrafe zu zehn bis fünfzehn Jahren verurteilen. Sicherungsverwahrung darf bei Heranwachsenden nicht neben der Strafe angeordnet werden, dass Gericht darf sich diese lediglich „vorbehalten“. Die eigentliche Entscheidung wird dann erst kurz vor Ende des Strafvollzugs getroffen.

Angeklagt ist ein 33-Jähriger aus der Nähe von Barcelona. Er hat zugegeben, den damals in Staufen lebenden, heute zehn Jahre alten Jungen mehrfach vergewaltigt und dafür Geld gezahlt zu haben. Die Plädoyers waren nicht öffentlich. Als Grund nannte das Gericht Persönlichkeitsrechte.

Der Junge war mehr als zwei Jahre lang im Darknet angeboten und Männern aus dem In- und Ausland gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen worden. Seine Mutter, Berrin T., und ihr wegen schweren Kindesmissbrauchs vorbestrafter Lebensgefährte, Christian L., werden dafür verantwortlich gemacht. Sie haben gestanden.

Der Spanier ist demnach einer der Männer, die sich an dem Jungen vergangen haben. Der psychiatrische Gutachter hatte dem Mann in dem Prozess ein sexuelles Interesse an Kindern und eine hohe Rückfallgefahr attestiert. Von dem Mann gehe daher eine Gefahr aus.

Parallel zu dem Prozess in Freiburg laufen gegen den Mann, der in Spanien bei einer Futtermittelfirma arbeitete, Mordermittlungen. Er steht im Verdacht, in Weißrussland ein Mädchen missbraucht und erdrosselt zu haben. Er bestreitet diese Vorwürfe.

In dem Missbrauchsfall gab es acht Festnahmen und Anklagen. Fünf Männer wurden bereits verurteilt. Das Urteil gegen die beiden Hauptbeschuldigten in dem Fall, Berrin T. und Christian L., soll am Dienstag gesprochen werden.

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bbr/dpa



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