Missbrauchsfall in Staufen Staatsanwaltschaft wirft Mutter und Lebensgefährten schwere Vergewaltigung vor

Mehr als hundert Seiten ist die Anklageschrift lang - die Staatsanwaltschaft legt den Hauptbeschuldigten im Staufener Missbrauchsfall unter anderem schwere Vergewaltigung und Zwangsprostitution zur Last.

Angeklagte Mutter (2.v.r.) und ihr Lebensgefährte (2.v.l.) im Freiburger Gerichtssaal
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Angeklagte Mutter (2.v.r.) und ihr Lebensgefährte (2.v.l.) im Freiburger Gerichtssaal


Vor fünf Monaten wurde der jahrelange Missbrauch eines Jungen aus Staufen bekannt - nun hat der Prozess gegen die beiden Hauptbeschuldigten in dem Fall begonnen. Es handelt sich um Berrin T., die 48 Jahre alte Mutter des Kindes, sowie um Christian L., ihren 39 Jahre alten Lebensgefährten. Dem Paar werden unter anderem schwere Vergewaltigung und Zwangsprostitution in jeweils knapp 50 Fällen zur Last gelegt, wie Staatsanwältin Nikola Novak sagte.

Das Paar soll den heute neun Jahre alten Jungen vielfach selbst missbraucht, ihn mehr als zwei Jahre lang im Internet angeboten und Männern aus dem In- und Ausland gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen haben. In der mehr als hundert Seiten langen Anklageschrift ist außerdem die Rede von Fesselungen, extremen Demütigungen, Beschimpfungen, Drohungen sowie körperlicher Gewalt.

Die vorgeworfenen Taten haben sich laut Staatsanwaltschaft von 2015 bis Herbst 2017 ereignet, geplant habe sie das Paar von Anfang 2014 an. Seit den Festnahmen der mutmaßlichen Täter im Herbst 2017 ist der Junge in staatlicher Obhut. Er wird in dem Prozess nicht aussagen müssen, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin. Ein Urteil soll es nach Angaben des Gerichts Mitte Juli geben.

Weiterer Prozess in Karlsruhe

Christian L. hat Staatsanwältin Novak zufolge umfassend gestanden und Ermittlern Hinweise gegeben. Zudem gebe es von den Taten zahlreiche Filmaufnahmen und Dokumente, die von den mutmaßlichen Tätern stammten und nun als Beweismittel dienten. Die Mutter schweigt. Ob sie aussagt, ist laut ihrem Anwalt Matthias Wagner noch nicht entschieden.

"Ich erhoffe mir, auch wenn es vielleicht unrealistisch ist, von der angeklagten Kindsmutter vielleicht mal eine Erklärung zur Motivation", sagte die Vertreterin der Nebenklage, Rechtsanwältin Katja Ravat. Ravat vertritt in dem Prozess den missbrauchten Jungen.

Ziel von Anklage und Nebenklage sei neben langjährigen Haftstrafen eine anschließende Sicherungsverwahrung, vor allem für den wegen schwerer Kindesmisshandlung vorbestraften Lebensgefährten der Mutter. Sie wolle dem Kind rückmelden können, dass der Mann auf absehbare Zeit nicht mehr aus der Haft entlassen werden werde.

Jugendamt und Justiz stehen in dem Fall in der Kritik. Ihnen wird vorgeworfen, den Jungen nicht geschützt zu haben. Insgesamt gibt es acht Tatverdächtige. Jeder von ihnen ist einzeln angeklagt. Gegen zwei Männer hat das Freiburger Landgericht bereits Urteile gefällt.

In einem noch laufenden Verfahren wirft die Staatsanwaltschaft einem Schweizer Maurer schwere Vergewaltigung vor. Zudem begann parallel zu dem Freiburger Verfahren gegen die Mutter und ihren Lebensgefährten in Karlsruhe der Prozess gegen einen Mann aus Schleswig-Holstein. Der heute 44-Jährige wollte laut Anklage den Jungen missbrauchen, töten und sich an der Leiche vergehen. Als er anreiste, wurde er in Karlsruhe festgenommen. In diesem Verfahren wurde die Öffentlichkeit teilweise ausgeschlossen. Die Verteidigung hatte dies beantragt, weil der Angeklagte unter anderem zu seinem Sexualleben aussagen wolle.

Video: Zur Vergewaltigung angeboten

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bbr/ulz/dpa

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