Mordprozess gegen Hussein K. Rechtsmediziner schildert Tathergang

Hussein K. soll eine junge Frau vergewaltigt und getötet haben - nach eigener Aussage im Affekt. Dieser Version hat nun ein Rechtsmediziner widersprochen.

Hussein K. im Landgericht Freiburg (Archivbild)
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Hussein K. im Landgericht Freiburg (Archivbild)


Im Freiburger Sexualmordprozess gegen Hussein K. hat ein Sachverständiger das Vorgehen des Angeklagten bei der Tat als gezielt und brutal beschrieben. Das Opfer sei am Uferweg des Flusses Dreisam angegriffen, bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und dann vergewaltigt worden, sagte der Rechtsmediziner Stefan Pollak. Anschließend sei sie bewusstlos in das Wasser des Flusses gelegt worden, wo sie ertrank.

Hussein K. werden Mord und besonders schwere Vergewaltigung vorgeworfen. Er hatte zum Prozessauftakt zugegeben, im Oktober 2016 nachts in Freiburg die Studentin bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und vergewaltigt zu haben. Es habe sich jedoch um eine Tat im Affekt gehandelt. Zudem habe er nach seinem Angriff geglaubt, die Frau sei bereits tot.

Diese Version ist den Schilderungen des Rechtsmediziners zufolge nicht glaubwürdig. Das Würgen habe zwar nach einer oder wenigen Minuten zur Bewusstlosigkeit geführt, tödlich sei es aber nicht gewesen. Die Frau habe weiter geatmet, sei aber bewusstlos gewesen und habe sich daher nicht wehren können.

Es sei durch Atembewegungen auch für Laien gut erkennbar gewesen, dass die Frau noch lebte. Sie hätte überlebt, wenn ihr Kopf aus dem Wasser gezogen worden wäre. Der Tod durch Ertrinken habe vermutlich mehr als eine Stunde gedauert, sagte die Vorsitzende Richterin Kathrin Schenk. Eine Handy-Auswertung der Polizei ergab, dass Hussein K. die ganze Zeit über am Tatort war.

Der Vertreter der Nebenklage, der die Familie der Getöteten vertritt, sowie der Staatsanwalt hatten in der vergangenen Woche beantragt, dass der Rechtsmediziner von der Obduktion der Leiche unter Ausschluss der Öffentlichkeit berichtet, um die Familie des Opfers zu schützen. Diesen Antrag lehnte das Gericht ab. Das Interesse der Öffentlichkeit sei höher zu bewerten, sagte die Richterin.

Ein Urteil wird Gerichtsangaben zufolge frühestens Mitte März fallen.

bbr/dpa

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