Missbrauchsfall in Staufen Gutachter warnt vor hohem Rückfallrisiko

Im Staufener Missbrauchsprozess hat der Gutachter ausgesagt. Der Hauptangeklagte habe ein starkes sexuelles Bedürfnis nach Kindern. Seine Therapien seien wirkungslos geblieben.

Der Angeklagte Christian L. im Landgericht Freiburg
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Der Angeklagte Christian L. im Landgericht Freiburg


Nach dem jahrelangen Missbrauch eines Kindes in Staufen bei Freiburg hat der psychiatrische Gutachter dem Hauptangeklagten ein sehr hohes Rückfallrisiko attestiert. Christian L. sei geprägt von einem starken sexuellen Bedürfnis nach Kindern und einem aggressiven Sexualinteresse, sagte der Sachverständige Hartmut Pleines vor dem Landgericht Freiburg.

Zudem neige der Angeklagte zum Rechtsbruch. Der 39-Jährige habe sich von bisherigen Haftstrafen wegen schweren Kindesmissbrauchs nicht beeindrucken lassen. Therapien seien wirkungslos geblieben. Er sei voll schuldfähig und "in der höchsten Kategorie der Rückfallwahrscheinlichkeit" einzuordnen.

Der 39-Jährige ist in dem Prozess gemeinsam mit seiner 48 Jahre alten Lebensgefährtin Berrin T. angeklagt. Beide haben gestanden, den in Staufen lebenden und inzwischen zehn Jahre alten Sohn der Frau mehr als zwei Jahre lang im Internet angeboten und Männern gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen zu haben.

Zudem sollen sie das Kind sowie ein dreijähriges Mädchen auch selbst mehrfach sexuell missbraucht haben. Ihnen drohen bis zu 15 Jahre Haft und Sicherungsverwahrung.

Wenig Mitgefühl

Von der Frau gehe keine Wiederholungsgefahr von Sexualstraftaten aus, sagte der Sachverständige Pleines. Sie habe zwar eine geringe Emotionalität und wenig Mitgefühl. Sie sei für Kinder jedoch keine Gefahr.

Ihren eigenen Sohn habe sie missbraucht, um die Beziehung zu ihrem Lebensgefährten zu halten. "Die Bereitschaft, ihren Sohn zu opfern, liegt in ihrem wenig entwickelten Gewissens- und Normengerüst begründet." Sie habe ihre eigenen Interessen über die ihres Kindes gestellt. Hörig, wie sie selbst sagte, sei sie dem Mann nicht gewesen.

Die Angeklagte Berrin T.
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Die Angeklagte Berrin T.

Die Frau habe mehrere gescheiterte Ehen hinter sich und lebe seit 1994 ausschließlich von staatlichen Sozialleistungen. Der Vater ihres Kindes sei drogenabhängig gewesen und kurz nach der Geburt des Jungen im Juli 2008 an einer Überdosis gestorben.

Die Frau, wie auch der mit ihr angeklagte Lebensgefährte, stammten aus einem "sozial schwierigen Milieu". Die Eltern von Berrin T. seien gestorben, als sie drei Jahre alt war. Eine Haftstrafe sei für sie das richtige Instrument.

Großer Vertrauensverlust

"Die Taten sind besonders schwer, weil die Mutter ihrem Kind keinen Schutz und keine Sicherheit gewährte. Die natürliche schützende Instanz blieb dem Kind versagt", sagte der Sachverständige. Deshalb sei der Vertrauensverlust für ihren Sohn besonders groß.

Unter chronischem Missbrauch, wie im konkreten Fall, leiden Kinder laut Gutachter Pleines oft ein Leben lang. Derartige Taten prägen ihm zufolge die Persönlichkeits- und Sexualentwicklung und beeinflussten das weitere Leben nachhaltig.

Opfer werden zu Tätern

Körperliche und seelische Gesundheit gerieten dauerhaft in Gefahr, sagte er. Dies seien häufige und schwerwiegende Folgeschäden. Kinder, die Opfer sexueller Übergriffe werden, würden später statistisch gesehen überdurchschnittlich oft selbst zu Tätern.

Dies sei jedoch allgemein gesprochen und beziehe sich nicht allein auf den konkreten Fall. Hier sei es für Vorhersagen zu früh. Wichtig sei, dass der Junge Hilfe und Unterstützung bekomme.

sen/dpa



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