Staufener Missbrauchsfall Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungen gegen das Jugendamt

Eine Lehrerin und der Schulleiter alarmierten das Jugendamt im Fall des jahrelang in Staufen missbrauchten Jungen. Doch die Behörde stufte die Warnungen nur als "vage Hinweise" ein - und blieb tatenlos.

Sitzungssaal im Landgericht Freiburg
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Sitzungssaal im Landgericht Freiburg


Im Fall des jahrelangen Missbrauchs eines Kindes in Staufen blieb das Jugendamt untätig, obwohl es Hinweise aus der Schule des Jungen gab. Das schilderte ein Zeuge am Landgericht Freiburg. Die Behörde habe Warnungen der Lehrerin des heute Neunjährigen und des Schulleiters als "vage Hinweise" eingestuft, sagte der zuständige Sachbearbeiter.

Polizei oder Gerichte, die sich bereits mit der möglichen Gefährdung des Kindes befasst hatten, habe das Amt nach den Hinweisen der Schule im Juni und Juli 2017 nicht informiert. Es habe keine Gespräche mit dem Jungen oder der Schule geführt und auch keine Kontrollen veranlasst.

Die Staatsanwaltschaft prüft nun den Angaben zufolge mögliche Ermittlungen gegen das Jugendamt. Angeklagt im aktuellen Prozess sind Berrin T., die 48 Jahre alte Mutter des Kindes, und ihr 39 Jahre alter Lebensgefährte, Christian L.

Beide haben gestanden, das in Staufen lebende Kind mehr als zwei Jahre lang im Darknet angeboten und Männern aus dem In- und Ausland gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen zu haben. Zudem sollen sie den Jungen sowie ein dreijähriges Mädchen auch selbst mehrfach sexuell missbraucht haben. Insgesamt gibt es in dem Fall acht Tatverdächtige, vier Männer sind bereits zu langen Haftstrafen verurteilt worden.

Die Taten ereigneten sich laut Gericht von Februar 2015 bis September 2017. Anfang Juni 2017 wandte sich die Lehrerin des Jungen und später der Schulleiter an das Jugendamt und sprach von Hinweisen des Kindes auf eine Misshandlung.

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bbr/dpa

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