Missbrauchsfall in Staufen "Wir hatten keine Chance"

Die Mutter des Opfers im Staufener Missbrauchsprozess verging sich mehrfach an ihrem Sohn. Vor Gericht beschrieben nun Zeugen die Rolle der Frau.

Landgericht Freiburg
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Landgericht Freiburg


Im Hauptprozess um den jahrelangen Missbrauch eines Kindes in Staufen haben Zeugen bestätigt, dass die Mutter eine aktive Rolle bei den Taten eingenommen habe. Das belegten Fotos und Filme, die bei ihr gefunden worden seien, sagte ein Polizist vor dem Landgericht Freiburg.

Auf den Aufnahmen sei zu sehen, wie sich Berrin T. mehrfach an ihrem Sohn sexuell vergehe, ihn beschimpfe, beleidige und für Vergewaltigungen durch Männer vorbereite, sagte der Beamte. Sie sei in Tatplanungen und Termine eingebunden gewesen.

Christian L., der wegen schweren Kindesmissbrauchs in 23 Fällen vorbestrafte Lebensgefährte von Berrin T., habe gemeinsam mit der Frau und ihrem Sohn in einer Wohnung gelebt - obwohl ihm das gerichtlich verboten gewesen sei. Er vergewaltigte den Jungen nach eigenen Angaben im Wissen der Mutter jahrelang und überließ ihn anderen Männern zum Missbrauch.

Die Polizei habe davon Anfang März 2017 erfahren und das Jugendamt alarmiert, sagte ein weiterer Beamter. Zuvor habe es keine Handhabe gegeben. "Sie agierten sehr konspirativ. Wir hatten keine Chance", sagte der Polizist. T. und L. hätten Polizei und Behörden getäuscht und sich amtlichen Anordnungen bewusst widersetzt.

Die 48 Jahre alte Berrin T. und der 39-jährige Christian L. sind die Hauptangeklagten in dem Fall. Insgesamt gibt es acht Tatverdächtige, vier Männer sind bereits verurteilt worden.

Das Landgericht Freiburg will bis Anfang August ein Urteil verkünden - zunächst war dafür der 16. Juli geplant gewesen. Die Beweisaufnahme sowie die Plädoyers würden länger dauern als ursprünglich geplant, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin.

Video: Kind zur Vergewaltigung angeboten

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bbr/dpa

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