Prozess in Freiburg Stiefvater gesteht vielfachen sexuellen Missbrauch

Der Stiefvater des bei Freiburg missbrauchten Jungen hat zugegeben, sich mehrfach an dem Kind vergangen zu haben. Er bestätigte zudem die Vorwürfe gegen mehrere andere Personen, darunter die Mutter des Kindes.

Schild am Landgericht Freiburg
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Schild am Landgericht Freiburg


Nach dem jahrelangen sexuellen Missbrauch eines Kindes bei Freiburg hat der Stiefvater des Opfers die Taten gestanden. Der heute neun Jahre alte Junge sei mehr als zwei Jahre lang von mehreren Männern und auch von ihm selbst sexuell missbraucht worden, sagte der 39-jährige Christian L. vor dem Landgericht Freiburg.

L. und seine Lebensgefährtin Berrin T., die 47 Jahre alte Mutter des Kindes, hätten den Jungen gegen Geld für Vergewaltigungen im Internet angeboten und mehreren Männern hierfür überlassen. Einer von ihnen habe mehrere zehntausend Euro bezahlt.

Außer ihm und der Mutter des aus Staufen stammenden Kindes sind sechs Männer aus dem In- und Ausland in dem Tatkomplex angeklagt - insgesamt sind zu dem Missbrauchsfall sieben Verfahren geplant. Im ersten davon, das derzeit verhandelt wird und in dem L. als Zeuge aussagte, ist Markus K. angeklagt. Der 41-Jährige hat gestanden, den Jungen nach Vermittlung von Christian L. zwei Mal vergewaltigt zu haben.

Christian L. ist wegen schweren Kindesmissbrauchs vorbestraft. Der Prozess gegen ihn und Berrin T. beginnt am 11. Juni in Freiburg. L. soll der Anklage zufolge gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin auch ein drei Jahre altes Mädchen missbraucht haben.

Schätzungsweise mehr als 60 Taten

"Ich möchte, dass Leute aus dem Verkehr gezogen werden, die dort hingehören, wo ich auch bin", sagte L. Er sitzt seit Herbst vergangenen Jahres in Untersuchungshaft und räumte die Taten nun erstmals öffentlich ein. Der 39-Jährige gelte als wichtiger Hinweisgeber, "sozusagen als Kronzeuge", und werde in allen Prozessen aussagen, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin. Dem Opfer bleibe eine Aussage vor Gericht vermutlich erspart.

Es habe von 2015 bis Herbst 2017 schätzungsweise mehr als 60 Taten gegeben, sagte L. Der Junge habe die Männer im Freien, in der eigenen Wohnung oder ihn angemieteten Ferienwohnungen treffen müssen. Er selbst habe sich im Schnitt ein Mal pro Woche an dem Kind vergangen, sagte L. Auch die Mutter sei beteiligt gewesen. Berrin T. habe bei einer Vergewaltigung im Kinderzimmer dem Täter Fesselwerkzeug bereitgelegt. Zudem habe sie Treffen organisiert und sei über alles informiert gewesen.

Die Taten seien gefilmt, die Filme weiterverbreitet worden. Der Mutter habe dies der sexuellen Erregung gedient. Das Fesselwerkzeug sei zum Einsatz gekommen, damit der Junge sich nicht wehren könne. Zudem seien ihm mehrere Täter als Polizisten vorgestellt worden, um den Widerstand des Kindes zu brechen. Es sei beleidigt und bedroht worden. Dies habe die Männer sexuell erregt.

Täter soll 18.000 Euro für drei Vergewaltigungen bezahlt haben

Ein Urteil gegen Markus K., der einschlägig vorbestraft ist, wird es laut Gericht voraussichtlich am Donnerstag geben. Dem Mann droht nach Angaben von Staatsanwältin Nikola Novak eine langjährige Haftstrafe sowie anschließende Sicherungsverwahrung.

Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat am Mittwoch auch Anklage gegen einen Spanier erhoben. Der 33-Jährige soll von September 2016 bis August 2017 mehrfach in die Region bei Freiburg gereist sein und den Jungen missbraucht haben. Es habe 15 Taten gegeben.

Auch zu dem Spanier nannte Christian L. erstmals Details. Der Spanier habe beim ersten Treffen für die Vergewaltigung 10.000 Euro bezahlt, bei weiteren Taten dann jeweils 5000 Euro und bei der letzten Vergewaltigung 3000 Euro. Das Geld sei an ihn und die Mutter des Kindes gegangen. Der Junge habe von dem Mann jeweils rund 100 Euro erhalten. Wann der Prozess gegen den Spanier beginnt, ist laut Landgericht Freiburg noch offen. Der Neunjährige ist inzwischen in staatlicher Obhut.

bbr/dpa

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