Missbrauchsfall bei Freiburg Staatsanwaltschaft ermittelte nach FBI-Hinweis schon 2016 gegen Christian L.

Der mutmaßliche Missbrauchstäter aus dem Raum Freiburg soll sich auf Kinderpornoseiten im Darknet bewegt haben. Nach Informationen von SPIEGEL TV wurde er deshalb schon im Mai 2017 angeklagt. Zum Prozess kam es nie.


Das Martyrium des neunjährigen Jungen aus dem Raum Freiburg, der jahrelang von seiner Mutter und deren Lebensgefährten missbraucht und zur Prostitution gezwungen worden sein soll, hätte womöglich deutlich früher beendet werden können. Nach Recherchen von SPIEGEL TV ermittelte die Staatsanwaltschaft Freiburg schon seit 2016 gegen den einschlägig vorbestraften Christian L. wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material.

Grundlage für die Ermittlungen waren Hinweise des amerikanischen FBI, das die pädo-kriminelle Darknet-Plattform "PlayPen" überwachte. Demnach hatte sich L. dort unter dem Decknamen "GeilerDaddy" in 227 Fällen kinderpornografische Aufnahmen angesehen und heruntergeladen.

Am 2. Mai 2017 erhob die Staatsanwaltschaft beim Amtsgericht Staufen Anklage in der Sache. Zeitgleich gab es gegen L. noch ein Verfahren wegen des Verstoßes gegen die Führungsaufsicht: Er hatte nach einer früheren Verurteilung aus dem Jahr 2010 die Weisung bekommen, sich von Kindern und Jugendlichen fernzuhalten - doch er hatte sich nicht daran gehalten und war zu Berrin T. und ihrem Sohn gezogen.

Es gab im Sommer 2017 also zwei Verfahren gegen Christian L. Doch eine Verurteilung wegen des Verstoßes gegen die Führungsaufsicht wurde nicht rechtskräftig, weil L. dagegen vorging. Und im Fall der Anklage wegen seiner Umtriebe auf der Missbrauchsplattform "PlayPen" kam es nie zur Hauptverhandlung.

Monatelang passierte nichts. Und der Missbrauch des Jungen ging in dieser Zeit laut Polizei weiter. Erst nach anonymen Hinweisen auf den Missbrauch des Kindes gab es Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft. L. wurde im September 2017 festgenommen und sitzt seither ebenso wie Berrin T. in Untersuchungshaft. Die Anklage in Sachen "PlayPen" wurde zurückgezogen. Die Ermittlungen sollen jetzt in das neue Verfahren einfließen.

Mehr zu den Ermittlungen im Freiburger Missbrauchsfall am Sonntag bei SPIEGEL TV (23.20 Uhr, RTL) und im neuen SPIEGEL, digital ab 18 Uhr abrufbar.


Betroffene können sich kostenfrei und anonym an das Hilfetelefon des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung wenden: 0800-22 55 530

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