Mord an Freiburger Studentin Die Chronologie im Fall Hussein K.

Hussein K. kam im November 2015 nach Deutschland, knapp ein Jahr später brachte er nach eigenen Angaben eine Studentin in Freiburg um. Die Chronologie des Falles.

Hussein K. im Gerichtssaal (Archivfoto)
DPA

Hussein K. im Gerichtssaal (Archivfoto)


Januar 2013: Hussein K. kommt mit Tausenden Flüchtlingen nach Europa. Er gibt sich als Afghane aus. In Griechenland, auf der Insel Korfu, lebt er mit anderen Flüchtlingen in einer verlassenen Ölmühle.

26. Mai 2013: Auf Korfu überfällt K. eine Studentin und wirft sie von einer hohen Klippe. Das Opfer überlebt schwer verletzt.

12. Februar 2014: Wegen versuchten Mordes wird K. in Griechenland zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Oktober 2015: Hussein K. wird vorzeitig aus der griechischen Haft entlassen. Als Jugendlicher profitiert er von einem Gesetz zur Entlastung der übervollen Gefängnisse in Griechenland. Dann taucht er unter.

12. November 2015: K. kommt als unbegleiteter minderjähriger Ausländer nach Freiburg, er bittet um Asyl. Papiere hat er nicht. Von seiner kriminellen Vorgeschichte wissen die deutschen Behörden nichts.

Mitte Februar 2016: K. stellt einen Asylantrag. Die Bearbeitung verzögert sich. Der junge Mann lebt inzwischen bei einer Pflegefamilie in Freiburg und steht unter der Obhut des Jugendamtes des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald.

16. Oktober 2016: In Freiburg wird die Leiche einer Studentin gefunden. Die 19-jährige Maria L. war am frühen Morgen auf dem Heimweg von einer Party überwältigt und vergewaltigt worden. Sie starb am Tatort.

2. Dezember 2016: Die Polizei in Freiburg nimmt den Flüchtling Hussein K. als Verdächtigen fest. Er gibt sein Alter mit 17 an. Inzwischen eingeholte Altersgutachten bezweifeln dies.

Im Video: Altersschwindel bei Flüchtlingen

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5. September 2017: Vor dem Landgericht Freiburg beginnt der Mordprozess gegen Hussein K. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die Studentin "heimtückisch" und "zur Befriedigung seines Geschlechtstriebs" getötet zu haben.

11. September 2017: Hussein K. gibt zu, die Studentin umgebracht zu haben.

7. November 2017: Gutachten zufolge ist Hussein K. älter als 21 Jahre. Die Analyse seines Eckzahnes ergibt, dass er 22,5 bis 29,5 Jahre alt ist. Ein weiteres Gutachten, basierend auf Röntgenaufnahmen, kommt auf 22 oder 23 Jahre.

14. November 2017: Es wird bekannt, dass K. im Gefängnis einen Suizidversuch unternommen hat.

9. März 2018: Der Staatsanwalt plädiert. Er fordert unter anderem eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht, eine lebenslange Haftstrafe sowie anschließende Sicherungsverwahrung.

Hintergrund
Lebenslange Freiheitsstrafe

Die höchste Strafe, die ein Gericht in Deutschland verhängen kann. Bei Mord ist sie zwingend vorgeschrieben. Aber auch bei anderen besonders schlimmen Verbrechen, etwa Vergewaltigung mit Todesfolge, kann das Urteil „lebenslang“ lauten. Im strengen Wortsinn wird der Täter damit endgültig eingesperrt. Mit Blick auf die Menschenwürde muss er aber eine konkrete Chance haben, später wieder freizukommen. Die lebenslange Freiheitsstrafe kann daher nach frühestens 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden. Der Täter kommt aber nur frei, wenn man ihn dann als nicht mehr gefährlich ansieht. Dafür wird ein Gutachter hinzugezogen und das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung berücksichtigt.

Besondere Schwere der Schuld

Die vorzeitige Entlassung auf Bewährung nach 15 Jahren scheidet in der Regel aus, wenn das Gericht im Urteil die „besondere Schwere der Schuld“ festgestellt hat. Die Richter müssen hierzu Tat und Persönlichkeit des Täters würdigen. Sie prüfen, ob Umstände vorliegen, die das Aussetzen der lebenslangen Freiheitsstrafe nach 15 Jahren unangemessen erscheinen lassen. Das können etwa ein besonders brutales Vorgehen, sadistische Motive des Täters oder die Ermordung mehrerer Menschen durch eine Tat sein. Wird die besonders schwere Schuld festgestellt, muss die Strafvollstreckungskammer nach 15 Jahren die weitere Mindesthaftdauer festlegen. Auch in diesem Fall kommt der Verurteilte erst dann frei, wenn er nicht mehr als gefährlich gilt - vorausgesetzt, er selbst will freikommen.

Sicherungsverwahrung

Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Gericht neben einer Freiheitsstrafe anschließende Sicherungsverwahrung anordnen. Sie kommt sowohl bei lebenslangem als auch bei kürzerem Freiheitsentzug in Betracht. Dies dient allein dem Schutz der Allgemeinheit vor gefährlichen Tätern. Sicherungsverwahrte müssen getrennt von den Gefangenen untergebracht werden. Sie haben bessere Alltagsbedingungen und werden intensiv betreut. Es wird regelmäßig geprüft, ob die Unterbringung noch erforderlich ist.

Die Anordnung der Sicherungsverwahrung neben einer lebenslangen Freiheitsstrafe wirkt eigentlich überflüssig. Denn solange der Täter gefährlich ist, muss er im Gefängnis bleiben. Und ist er nicht mehr gefährlich, kommt er nicht in Sicherungsverwahrung, sondern nach frühestens 15 Jahren auf Bewährung frei. Die Entscheidung ist trotzdem nicht sinnlos: Dem Täter muss dann schon im Gefängnis eine umfassende therapeutische Betreuung angeboten werden. Außerdem kann er nach seiner möglichen Entlassung länger und intensiver überwacht werden.

Sonderfall bei Heranwachsenden

Wer bei einer Straftat schon volljährig, aber noch nicht 21 Jahre alt war, muss sich als sogenannter Heranwachsender in einem Jugendstrafverfahren verantworten. Stellt das Gericht fest, dass der Täter in seiner Entwicklung einem Jugendlichen gleichstand, kann es höchstens zehn Jahre Jugendstrafe verhängen, bei einem Mord und besonders schwerer Schuld bis zu 15 Jahre. Wenn die Richter keine Reifeverzögerung sehen, wenden sie normales Erwachsenenstrafrecht an. Selbst dann dürfen sie den Täter bei Mord statt zu lebenslanger Freiheitsstrafe zu zehn bis fünfzehn Jahren verurteilen. Sicherungsverwahrung darf bei Heranwachsenden nicht neben der Strafe angeordnet werden, dass Gericht darf sich diese lediglich „vorbehalten“. Die eigentliche Entscheidung wird dann erst kurz vor Ende des Strafvollzugs getroffen.

12. März 2018: Der Anwalt der Eltern der getöteten Studentin, die in dem Prozess Nebenkläger sind, schließt sich der Forderung des Staatsanwaltes an. Der Verteidiger von Hussein K. fordert kein konkretes Strafmaß, regt aber eine Drogentherapie für seinen Mandanten an. Der Forderung nach Erwachsenenstrafrecht tritt er nicht entgegen.

22. März 2018: Im Prozess gegen Hussein K. verkündet das Freiburger Landgericht das Urteil.

Lesen Sie hier den Hintergrund: Wie Hussein K. auf Frauen schaute.

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