Prozess gegen "Freie Kameradschaft Dresden" Schöffin wegen Affäre mit Angeklagtem abgelöst

Zu Prozessbeginn vor mehr als einem Jahr erkannte die Schöffin in dem Verfahren um rechtsextreme Gewalttaten ihren Ex-Liebhaber auf der Anklagebank. Doch die Frau schwieg - bis vor ein paar Wochen.

Verhandlungssaal am Landgericht in Dresden (Archiv)
DPA

Verhandlungssaal am Landgericht in Dresden (Archiv)


Mehrere Angeklagte sollen als Mitglieder einer kriminellen Vereinigung Straftaten gegen Andersdenkende, Flüchtlinge und Polizisten verübt haben. Im Prozess gegen die mutmaßlichen Mitglieder der rechtsextremen "Freien Kameradschaft Dresden" hat die Strafkammer nun ihre Besetzung ändern müssen.

Im Prozess musste eine Schöffin ausgetauscht werden. Der Grund: Sie hatte eine Affäre mit einem Hauptangeklagten. Die Richter am Landgericht Dresden benannten eine Ersatzschöffin.

Die Frau hatte den Beschuldigten Anfang 2015 - vor den zur Last gelegten Taten - kennengelernt und eine Nacht mit ihm verbracht. Zum Prozessauftakt vor mehr als einem Jahr erkannte sie ihren Ex-Liebhaber zwar, offenbarte sich aber erst vor einigen Monaten einem Schöffen und einem Ergänzungsrichter. Da letzter ebenfalls schwieg, wurde nun auch er abgelöst. Trotz dessen Aufforderung hatte die Schöffin den Vorsitzenden Richter nicht informiert.

Das MDR-Magazin "Exakt" berichtete schließlich über das Verhältnis. Der Angeklagte soll demnach auch aus dem Gefängnis heraus versucht haben, über ein Tablet mit illegalem Internetzugang den Prozess gegen ihn zu manipulieren.

Insgesamt sind fünf Männer und eine Frau wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruchs und Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion angeklagt.

apr/dpa



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