Freilassung im Jemen Chrobog auf dem Weg nach Deutschland

Nach dem Ende der dreitägigen Geiselhaft hat sich Jürgen Chrobog für die Bemühungen um seine Freilassung bedankt. Die Entführer hätten ihn und seine Familie gut behandelt, erzählte der ehemalige Staatssekretär im Auswärtigen Amt. Am Nachmittag werden die Chrobogs in Köln erwartet.


Aden/Berlin - Er und seine Familie hätten zu keinem Zeitpunkt ihr Leben bedroht gefühlt, sagte der 65-Jährige im südjemenitischen Aden vor Journalisten. Ihnen sei klar gewesen, dass es sich bei den Entführern nicht um Terroristen gehandelt habe. Chrobogs waren gestern nach drei Tagen Geiselhaft freigekommen. Zuvor hatten sich Regierung und Stammesführer auf die Beilegung eines Stammeskonflikts geeinigt. Die Familie verbrachte die Silvesternacht in Aden in einem Hotel. Heute kehrt sie nach Deutschland zurück. Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums sollte das Ehepaar Chrobog seinen drei Söhnen am Nachmittag auf dem Flughafen Köln-Wahn ankommen.

Zuvor habe sich der ehemalige Krisenmanager im Auswärtigen Amt noch mit dem jemenitischen Staatspräsidenten Ali Abdullah Salih getroffen, der sich für die Freilassung eingesetzt hatte.

Majda und Jürgen Chrobog in Aden: Nie um ihr Leben gefürchtet
AFP

Majda und Jürgen Chrobog in Aden: Nie um ihr Leben gefürchtet

In Berlin wurde die Freilassung der Familie mit Erleichterung aufgenommen. "Nach unserem ersten Eindruck hat die Familie die Geiselnahme, die mehrere Tage andauerte, ohne Schäden an Leib und Seele gesund überstanden", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Die Bundesregierung sei "sehr glücklich über den guten Ausgang". Der Außenminister dankte besonders Staatspräsident Salih für ein "engagiertes und umsichtiges Vorgehen".

In Berlin lobten Union, SPD und FDP die Leistung des Krisenstabes im Auswärtigen Amt unter Leitung Steinmeiers. Der Minister und seine Mannschaft hätten "wieder einmal eindrucksvoll" ihre Leistungsfähigkeit und ihr diplomatisches Geschick unter Beweis gestellt, erklärte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla mit Blick auch auf die kürzlich erfolgreich bewältigte Geiselkrise um Susanne Osthoff im Irak. Ähnlich äußerte sich auch sein SPD-Kollege Hubertus Heil. FDP-Chef Guido Westerwelle würdigte ein "umsichtiges Wirken" des Krisenstabes. Die Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei, Gregor Gysi und Oskar Lafontaine, begrüßten, dass die Bundesregierung wie im Fall Osthoff dafür gesorgt habe, "dass die Entführung friedlich beendet werden konnte".

Auch Chrobog selbst bedankte sich für die Bemühungen um seine Freilassung. "Ich muss also wirklich anerkennen, wie man sich um uns und meine Familie bemüht hat", sagte der frühere Außen-Staatssekretär gestern Abend bei seiner Ankunft in der Hafenstadt Aden im Süden des arabischen Landes. Ausdrücklich dankte auch Chrobog dem jemenitischen Staatspräsidenten Salih für dessen Anstrengungen. Salih, der maßgeblich an den Verhandlungen mit den Kidnappern beteiligt war, wollte sich später mit Chrobog treffen.

Jemen entschuldigt sich

Der jemenitische Vize-Außenminister Mohy al-Dhabbi entschuldigte sich im Namen seines Landes für die Entführung. Das wertete Steinmeier "mit großem Respekt". Die Geiselnahme habe keinen terroristischen Hintergrund gehabt, sondern gehe auf Stammesstreitigkeiten zurück. Die Chrobogs seien zufällig Opfer geworden.

Einige Entführer wurden noch gestern festgenommen. Die vier Männer würden vor Gericht gestellt, sagte der Sprecher des jemenitischen Botschafters in Berlin. Die Stammesführer hätten die Vereinbarung mit der Regierung, die zur Freilassung der Chrobogs führte, unterzeichnet. Danach hat sich die Regierung in Sanaa verpflichtet, fünf Mitglieder eines rivalisierenden Stammes festzusetzen. Die Übergabe der Geiseln fand in der bergigen Schabwa- Region statt, rund 450 Kilometer östlich der Hauptstadt Sanaa. Mit den Chrobogs ließen die Kidnapper zwei jemenitische Fahrer und einen Reiseleiter frei.

Die Verhandlungen über die Freilassung hatten sich zur Nervenprobe entwickelt. Steinmeier hatte die Regierung in Sanaa dringend um eine schnelle und gewaltfreie Lösung gebeten. Er hatte seit Donnerstag mit einer Freilassung noch vor dem Jahreswechsel gerechnet. Die Geiselnehmer sind Mitglieder des Stammes der Abdallah. Sie hatten die Freilassung von fünf Stammesangehörigen verlangt, die im Gefängnis sitzen. Als Kompromiss schlugen sie dann vor, dass fünf Mitglieder des rivalisierenden Stammes der al-Riad ebenfalls inhaftiert werden, um einen fairen Prozess für beide Parteien zu gewährleisten.

Chrobog war in seiner Zeit im Auswärtigen Amt oft selbst als Krisenmanager tätig. Im Jahr 2003 hatte er monatelang um die Freilassung von 14 Sahara-Touristen, darunter neun Deutsche, verhandelt.



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