Massenmörder aus den Zwanzigern Kopf von Fritz Haarmann eingeäschert

Erst hatte er Sex mit ihnen, dann biss er ihnen die Kehle durch: Fritz Haarmann tötete in den Zwanzigerjahren mindestens 24 Männer. Nach der Hinrichtung präparierten Experten seinen Kopf, 90 Jahre später ist er nun eingeäschert worden.

Porträt des Massenmörders Fritz Haarmann: Mit diesem Hackbeil zerteilte er wahrscheinlich seine Opfer
DPA

Porträt des Massenmörders Fritz Haarmann: Mit diesem Hackbeil zerteilte er wahrscheinlich seine Opfer


Göttingen - Fast 90 Jahre lang lagerte der Kopf des Massenmörders Fritz Haarmann als Präparat in Göttingen - einem Zeitungsbericht zufolge ist er inzwischen eingeäschert worden. Die Göttinger Universitätsmedizin habe damit einen Schlussstrich unter ein schauriges Kapitel Wissenschaftsgeschichte gezogen, berichtete das "Göttinger Tageblatt" am Samstag. Der Kopf sei bereits im vergangenen Frühjahr verbrannt und anonym bestattet worden.

Wie die Zeitung berichtete, sollte der Kopf des Mörders einst belegen, dass man Verbrecher an der Physiognomie oder Besonderheiten im Gehirn erkennt. Nach der Enthauptung Haarmanns im April 1925 wurde er in Formalin eingelegt und an die Göttinger Rechtsmedizin übergeben. Die erhofften wissenschaftlichen Erkenntnisse blieben allerdings aus. Kritiker hatten immer wieder gefordert, dem Präparat eine letzte Ruhestätte zu gewähren. Zuletzt durften ihn weder Studenten noch Universitätsmitarbeiter oder Besucher besichtigen.

Fritz Haarmann hatte in Hannover von 1918 bis 1924 mindestens zwei Dutzend junge Männer im Alter zwischen 10 und 22 Jahren auf besonders bestialische Weise getötet. Nachdem er Sex mit seinen Opfern hatte, biss er ihnen die Kehle durch. Um ihn zu einem Geständnis zu bewegen, nutzte die Polizei allerdings ebenfalls besonders unorthodoxe Methoden.

Ist er der "Vampir von Hannover"?

Nachdem der Hauptverdächtige auch nach einer Woche noch schwieg, in der sie ihn mit Beweisen, Zeugen und Angehörigen konfrontiert hatten, inszenierten die Beamten einen Spuk in seiner Zelle. Dafür stellten sie einen Sack mit menschlichen Knochen in einen Winkel, außerdem hängten sie vier menschliche Schädel an die Decke, deren Augenhöhlen sie mit rotem Papier ausschmückten. Nachts zündeten sie darin Kerzen an.

Die Seelen der Toten würden nicht ruhen, bis Haarmann seine Taten gestanden habe, versicherten die Wärter dem Verdächtigen. Schließlich gab der abergläubische Mann nach. Ja, sagte er, er sei der Serienmörder, den die Menschen auch "Werwolf von Hannover" oder "Vampir von Hannover" nannten. Der Öffentlichkeit verschwiegen die Beamten zu diesem Zeitpunkt ihr zweifelhaftes Vorgehen. Details des Geständnisses zeigten jedoch, dass sie den Richtigen gefasst hatten.

Haarmann arbeitete selbst als Spitzel für die Polizei. Mit einem offiziellen Polizeiausweis durchstreifte er jahrelang die Wartesäle des Hannoveraner Hauptbahnhofs und sprach dort seine Opfer an. Er bot ihnen Unterkunft und Essen, als Gegenleistung verlangte Haarmann Sex. Nachdem er seine Opfer getötet hatte, warf er ihre Leichenteile in die Leine, mit ihrer Kleidung betrieb er einen Altkleiderhandel. Dies wurde ihm schließlich zum Verhängnis, als eine Mutter die Anziehsachen ihres Sohnes erkannte.

Beim Prozess konnte der Staatsanwalt insgesamt 24 Morde nachweisen, am 19. Dezember 1924 wurde Fritz Haarmann 24-mal zum Tode verurteilt - für jeden Mord einmal. Er starb am 15. April 1925 im Gefängnishof des Landgerichts Hannover durch ein Fallbeil, das seinen Kopf abtrennte.

irb/gsa/dpa

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