Fünf tote Mädchen in "Escape-Room" "Ziemlich viel Nachlässigkeit"

Fünf Mädchen starben in Polen bei einem Brand in einem sogenannten Escape-Room. Der Chef der polnischen Feuerwehr hat den Betreiber nun mit deutlichen Worten kritisiert.

MARCIN BIELECKI/EPA-EFE/REX

Nach dem tödlichen Brand in einem "Escape-Room" hat sich die polnische Feuerwehr zu den Ursachen geäußert. "Die Sicherheit war nicht gewährleistet, und das hat zu der Tragödie geführt", sagte der Hauptkommandant der polnischen Feuerwehr, Leszek Suski, auf einer Pressekonferenz. Das berichten die Nachrichtenagentur AP und die polnische Zeitung "Gazeta Wyborcza".

Fünf Mädchen waren während eines sogenannten Escape-Games in der polnischen Stadt Koszalin gestorben, eine weitere Person erlitt schwere Verbrennungen. Bei dem Spiel versucht eine Gruppe, aus einem abgeschlossenen Raum zu entkommen. Dazu erhalten sie Hinweise (lesen Sie hier mehr über das Spiel "Escape-Room").

Feuerwehr-Chef Suski bezeichnete die Verkabelung in dem Gebäude als mangelhaft, sie sei zu nah an leicht entzündlichen Materialien verlegt worden. Es habe keine ordnungsgemäßen Rettungswege gegeben. Der "Escape Room" sei mit rund sieben Quadratmetern zu klein für die Besucher gewesen. Es gebe insgesamt "ziemlich viel Nachlässigkeit" in dem Bau.

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Brand in Koszalin: Tod im Escape-Room

Bei den Toten handelt es sich um fünf 15-Jährige. Sie hatten gemeinsam den Geburtstag eines der Mädchen gefeiert. Der polnische Präsident Andrzej Duda nannte den Vorfall auf Twitter eine "verheerenden Tragödie".

Ein Mann erlitt schwere Verbrennungen. Er wurde in eine Spezialklinik verlegt und konnte bislang nicht befragt werden. Nach Medienberichten handelt es sich um einen Mitarbeiter des Betreibers.

Das Feuer sei im Vorzimmer ausgebrochen, teilte die Staatsanwaltschaft laut der Agentur PAP mit. Dort seien vier Gasheizer gefunden worden, die als Brandquelle in Frage kommen. Sie sollen zudem den einzigen Fluchtweg versperrt haben.

Ein Mitarbeiter habe die Tür zu dem "Escape-Room" nicht mehr öffnen können. Alle Opfer seien an einer Vergiftung durch das Rauchgas Kohlenmonoxid gestorben. Der Betreiber war zunächst telefonisch nicht zu erreichen.

"Viel Körperkraft"

"Die Feuerwehrleute mussten spezielle Ausrüstung und viel Körperkraft aufwenden, um ins Innere zu gelangen", sagte Feuerwehrsprecher Tomasz Kubiak dem Sender TVN24. Die Fenster seien verschlossen und verriegelt gewesen. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte habe das Haus bereits in Flammen gestanden.

Innenminister Brudzinski kündigte Überprüfungen der Brandschutzmaßnahmen in allen Escape-Räumen in Polen an. Diese sollten bereits am Samstag beginnen, hieß es. Die Betreiber solcher Angebote müssen in Polen bislang keine besonderen Genehmigungen der Feuerwehr einholen.

Koszalin liegt rund 160 Kilometer westlich von Gdansk (Danzig) im Bezirk Westpommern. Der Bürgermeister der Stadt, Piotr Jedlinski, erklärte den kommenden Sonntag zu einem Trauertag.

jpz/AP/dpa



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