Krawallmacher bei der EM "Die russischen Hooligans wollen Rache"

Russische Hooligans sollen auf dem Weg nach Polen sein. Beim Finalspiel der Gruppe A, Tschechien gegen Polen in Wroclaw, könnte es wieder Krawalle geben, fürchtet die Polizei. Demnach wollen sich die Randalierer für die Übergriffe von Warschau revanchieren.

DPA

Aus Warschau berichtet


Michal C. grinst. Der kahlköpfige Pole wird im schwarzen T-Shirt, schwarzer Jogginghose und in Handschellen in das Warschauer "Schnellgericht" geführt. Es gibt Fotos, die zeigen, wie er am vergangenen Dienstag zum Tritt gegen einen weglaufenden Mann ausholt. Die Bilder zeigen aber nicht, dass er ihn auch trifft.

Deshalb darf C. das Warschauer Gerichtsgebäude gegen eine Geldstrafe von 500 Zloty, knapp 120 Euro, wieder verlassen. "Unbestrafte Banditen", empörte sich das polnische Boulevardblatt "Fakt".

"Es ist schwer, die Täter klar zu identifizieren. Sie waren häufig in Gruppen, zudem vermummt. Viele Entscheidungen, die wir hier treffen, werden noch in einem zweiten Verfahren geprüft. Bis dahin haben wir alle Videoaufnahmen ausgewertet", sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Warschau.

So glimpflich wie C. kommt derzeit ein Großteil der Hooligans und rechtsradikalen Aggressiven davon. Sie hatten den "Marsch der Russen" vor dem Spiel zwischen der polnischen Nationalmannschaft und der "Sbornaja" angegriffen. 184 Verhaftungen zählte die Polizei, darunter auch 25 Russen. Im Gefängnis gelandet sind bislang lediglich drei Personen. Die Haftstrafen von drei bis fünf Monaten ergaben sich daraus, dass die Männer größtenteils schon vorbestraft waren.

"Die machen alles platt"

Dabei waren die Ausschreitungen in Warschau so brutal wie schon lange nicht mehr im europäischen Spitzenfußball. "Wir können nicht ausschließen, dass es neue Ausschreitungen geben wird. Im Moment können kleinste Provokationen die Situation eskalieren lassen", sagt Bernard Zolyniak, Leiter des Zentrums für gesellschaftliche und kulturelle Forschung und Wirkung in Posen.

Die russische Zeitung "Kommiersant" berichtet, dass sich russische Hooligans auf den Weg nach Polen machen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll es sich dabei um etwa 150 Krawallmacher des russischen Clubs Spartak Moskau handeln. "Das sind Hooligans, die zur härtesten Sorte der Welt gehören. Die machen alles platt", sagt ein deutscher Soziologe, der seit Jahren gute Einblicke in die russische Fan- und Hooliganszene hat. Er möchte seinen Namen nicht nennen, weil er um seine Kontakte fürchtet.

Ziel der Spartak-Krawallmacher ist jedoch nicht Warschau, wo die russische Nationalmannschaft am Samstag im entscheidenden Gruppenspiel auf Griechenland trifft, sondern Wroclaw. "Da können sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen", sagt der deutsche Fanforscher.

In Wroclaw trifft Polen im Finale der Gruppe A auf Tschechien. Die Fan- und Hooliganlager verstehen sich zwar blendend. Sie gehören aber auch zu den größten Feinden der russischen Hooligans. "Wenn die Russen es bis nach Wroclaw schaffen, kann man für nichts mehr garantieren", sagt Zolyniak.

Auffällige Personen sollen bis nach dem Spiel festgehalten werden

Die Hooligans der drei Länder sind für ihre Skrupellosigkeit bekannt. Die Krawallmacher, so beschreibt es einer der Schläger im "Kommiersant", schreckten auch nicht davor zurück, Gegenstände wie Schlagstöcke und Messer einzusetzen. "Wir sind hier auf das Schlimmste vorbereitet", sagt ein Wroclawer Polizist.

Erneut wird das Aufgebot der Ordnungskräfte drastisch erhöht. In Warschau waren zeitweise selbst 7000 Polizisten überfordert mit den Angriffen der Hooligans. "Wir müssen versuchen, das Schlimmste schon vor dem Spiel zu verhindern", sagt ein Polizist. Es werden viele Zufahrtsstraßen zur Stadt kontrolliert. Auch an den Grenzübergängen wird es schärfere Überprüfungen geben. Auffällige Personen sollen im Zweifel bis nach dem Spiel festgehalten werden.

Problematisch ist für die Wroclawer Polizei die Nähe zu Krakau, beide Städte trennt lediglich eine knapp zweistündige Autofahrt. In Krakau sind zwei der extremsten polnischen Hooligangruppen beheimatet . Diese waren in den vergangenen zwölf Monaten zwar starken Repressionen der Polizei ausgesetzt und zeigen derzeit nur selten ihre gesamte Stärke, doch sie verstecken sich auch nicht mehr: Beim Training der Niederländer sollen Hooligan-Anhänger von Wisla Krakau dunkelhäutige Spieler mit "Urwald"-Geräuschen verspottet haben.

"Wir wissen nicht, was uns in Wroclaw erwartet. Wir sind sowohl auf Sonnenschein als auch auf eine Flut vorbereitet", sagt der Fankoordinator des polnischen Organisationskomitees, Dariusz Lapinski. Zwar glaubt der Soziologe, dass "alles ruhig bleiben wird und wir ein schönes Final-Fest erleben", aber er sagt auch, "dass wirkliche Prognosen nicht mehr möglich sind".

Ein Polizist in Warschau sagt: "Die russischen Hooligans wollen Rache für die Sache in Warschau." Vielleicht werden sie sich dann mit Michal C. und zahlreichen anderen Hooligans, die schon in der Hauptstadt gewütet haben, messen können.

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SwissMatthias72 16.06.2012
1. Ausschluss
Wenn diese hirnverbrannten und primitiven Hooligans diese Fussballspiele als Vorwand für ihre fragwürdigen Aktionen benutzen, dann gibt es nur eine Konsequenz: die UEFA resp. die FIFA sperrt den russischen und polnischen Fussballverband für so lange von den internationalen Wettbewerben aus, bis die Verbände und die Politik diese Spinner in den Griff bekommen. Die erste Konsequenz der UEFA wäre jetzt, Polen und Russland zu disqualifizieren!
donwiegos 16.06.2012
2. Vorschlag
Warum lädt man die Jungs nicht zu einer Halbzeit vor dem eigentlichem Spiel ? Wie damals die Gladiatoren , auf Spielfeld gelassen , Absperrung drumrum und dann können sie sich zur Belustigung der Zuschauer bis zum letztem Tropfen kloppen . Dann weggeräumt und los geht das Fussballspiel. Perfekt da hat jeder was davon und die Spiel können weitergehn .....
ludd110 16.06.2012
3. Fussballfans
Wieso in aller Hölle Namen, bezeichnet SPON diese geistigen Amöben als Fussballfans und zwar unter fast jedem Bild in der Fotostrecke?
Ragnar Danneskjöld 16.06.2012
4.
Zitat von sysopDPARussische Hooligans sollen auf dem Weg nach Polen sein. Beim Finalspiel der Gruppe A, Tschechien gegen Polen in Wroclaw, könnte es wieder Krawalle geben, fürchtet die Polizei. Demnach wollen sich die Randalierer für die Übergriffe von Warschau revanchieren. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,839178,00.html
Laut Presseberichten aus der Niederlande hat sich diesen angeblichen Skandal wohl die niederlaendische Zeitung "De Telegraaf" zur Auflagesteigerung ausgedacht und (wie so oft) wurde alles dann von den anderen Medien kritiklos uebernommen, weil es so schoen ins Bild passt.
AusVersehen 16.06.2012
5. Mag kein Fußball
Zitat von sysopDPARussische Hooligans sollen auf dem Weg nach Polen sein. Beim Finalspiel der Gruppe A, Tschechien gegen Polen in Wroclaw, könnte es wieder Krawalle geben, fürchtet die Polizei. Demnach wollen sich die Randalierer für die Übergriffe von Warschau revanchieren. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,839178,00.html
Das ist einer der Gründe, warum ich Fußball nicht ausstehen kann. Hat man jemals gehört, dass nach Eiskunstlaufen randalierer durch die Stadt ziehen? Oder nach dem Tennis? Schwimmen? Biathlon? Feldhockey? Nichtmal beim Boxen passiert sowas. Fußball zieht das an und die Vereine tun nichts dagegen. Wann werden die Vereine endlich mithaftbar für die Schäden, die ihre randalierenden Fans anrichten?
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