G20-Einsatz Zweiter Warnschuss um Mitternacht

Tatort Sternbrücke: Zivilfahnder haben nach Polizeiangaben am späten Samstagabend einen Warnschuss abgegeben, als sich ein Randalierer der vorläufigen Festnahme entzog - und offenbar eine Gefahr darstellte.

Brennende Barrikade im Schanzenviertel
DPA

Brennende Barrikade im Schanzenviertel


Der G20-Gipfel war am späten Samstagabend schon zu Ende, die Staats- und Regierungschefs hatten die Rückreise angetreten, da fiel im Hamburger Schanzenviertel ein Schuss - es war der zweite an diesem Wochenende. (Lesen Sie hier eine Auswahl wichtiger SPIEGEL-ONLINE-Artikel zum Gipfel in Hamburg)

Bereits am Freitagabend hatte ein Zivilfahnder in der Susannenstraße, die in unmittelbarer Nähe zum autonomen Zentrum Rote Flora liegt, einen Warnschuss abgegeben. (Lesen Sie hier die Rekonstruktion dieses Polizeieinsatzes)

Rund um und in dem Schanzenviertel kam es am Samstagabend immer wieder zu kleineren Scharmützeln, ehe die Lage eskalierte. Randalierer warfen Flaschen, Steine und Böller. Die Polizei setzte unter anderem Wasserwerfer und Pfefferspray ein.

Flucht vor Zivilfahndern an der Sternbrücke

Nach Angaben der Behörden beobachteten zivile Polizeibeamte dann gegen Mitternacht, wie ein Mann unter der Sternbrücke Müll "entzündete". Er soll anschließend weggelaufen sein und seine Kleidung gewechselt haben. Dem Bericht zufolge haben die Beamten versucht, den Mann anzuhalten und vorläufig festzunehmen. Nachdem sie sich als Polizisten ausgewiesen und ihn zum Stehenbleiben aufgefordert hatten, habe der Mann die Flucht ergriffen.

Dabei soll er sich mehrmals umgedreht haben, schließlich langsamer gelaufen sein und in einen Beutel gegriffen haben, "offensichtlich, um daraus einen Gegenstand zu entnehmen", heißt es in dem Bericht. "Einer der verfolgenden Polizeibeamten gab daraufhin einen Warnschuss in die Luft ab." Der Mann rannte jedoch weiter und konnte in eine größere Menschengruppe entkommen. Er blieb unerkannt.

Mehr als 200 Menschen in Gewahrsam, Hunderte verletzte Polizisten

"Wir haben schlimme Bilder gesehen. All diesen schlimmen Bildern liegen auch schlimme Straftaten zugrunde", sagte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz(SPD) bei einer Pressekonferenz am Sonntagnachmittag.

Es sei "nicht gelungen, dass der Gipfel so stattfindet, wie wir ihn uns gerne gewünscht haben." In Zahlen ausgedrückt: 37 vollstreckte Haftbefehle und 186 Festgenommene, 225 Menschen sind in Gewahrsam und 476 Polizisten verletzt.

dop



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