Exzessive Party von Berliner G20-Polizisten "Man kann nicht wie irre feiern und in der Öffentlichkeit bumsen"

Die Hamburger Polizei hat mehr als 220 Berliner Kollegen heimgeschickt - kurz vor dem G20-Gipfel war es zu wilden Eskapaden gekommen. Die Reaktionen sind deutlich.

Berliner Polizeisprecher Thomas Neuendorf
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Berliner Polizeisprecher Thomas Neuendorf


Eines muss man Thomas Neuendorf lassen: Den Vorwurf, als Sprecher der Berliner Polizei spreche er keinen Klartext, kann man ihm nicht machen. "Einfach nur peinlich" sei gewesen, wie sich seine Kollegen in Hamburg verhalten hätten.

Hamburg, das ist in wenigen Tagen der Schauplatz des G20-Gipfels. Eigentlich sollten Berliner Polizisten die Hamburger Kollegen bei dem Großeinsatz unterstützen. Doch mehr als 220 Berliner fahren jetzt wieder nach Hause - weil sie in ihrer Unterkunft Party gemacht, sich betrunken, Sachbeschädigungen begangen und in der Öffentlichkeit Sex gehabt haben sollen. Eine Polizistin soll im Bademantel mit einer Dienstwaffe auf einem Tisch getanzt haben, Männer sollen - in einer Reihe stehend - in der Öffentlichkeit uriniert haben.

Nach Informationen des SPIEGEL hatten Polizisten aus Nordrhein-Westfalen auf das Fehlverhalten ihrer Kollegen aufmerksam gemacht. Wie viele Polizisten an den Exzessen beteiligt waren, steht noch nicht fest. Polizeisprecher Neuendorf sagte, Anlass für den Radau sei eine Geburtstagsfeier gewesen. Zugleich betonte er, die Berliner Hundertschaften seien noch nicht im Dienst gewesen. "Wir sprechen von einem Saufgelage in der Freizeit vor einem Einsatz."

Das ist schon sehr explizit. Doch Neuendorf legte in einem Interview mit einer Reporterin von WeltN24 nach. Seine Kollegen sollen auf dem Dach der Unterkunft umhergerannt sein und sich heftig gestritten haben. Es habe zuvor Klagen über Langeweile gegeben, weil es in der Unterkunft keine Fernseher gegeben habe.

Die Sache sei aber eben keine Klassenfahrt von 16-Jährigen gewesen. Neuendorf: "Es heißt immer 'Wohlverhalten von Polizisten', und da kann man nicht wie irre feiern und in der Öffentlichkeit bumsen. Um das mal so deutlich zu sagen."

"Unangemessenes und inakzeptables Verhalten"

Ein Sprecher der Hamburger Polizei drückte sich diplomatischer aus. Eine Minderheit der Berliner Beamten habe ein "unangemessenes und inakzeptables Verhalten" gezeigt.

Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer mochte trotz des PR-Schadens in der Sache sogar noch etwas Gutes erkennen. "Aber das kommt für uns natürlich zum rechten Zeitpunkt, noch weit vor dem Gipfel. Jeder weiß jetzt, die Hamburger Polizei fackelt nicht lange und schickt Einsatzkräfte wieder zurück."

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) reagierte alarmiert. "Falls sich die Vorwürfe des Fehlverhaltens bestätigen, muss das in der Polizei ordentlich geklärt werden", sagte er. "Die Arbeit der Berliner Polizei darf durch solche Vorfälle keinen Schaden nehmen." Polizeibeamte hätten eine Vorbildfunktion.

Die Polizisten aus Berlin waren in Containerunterkünften auf einem Kasernengelände in Bad Segeberg, nordöstlich von Hamburg, untergebracht. Seit dem vergangenen Wochenende waren in Hamburg drei Hundertschaften Berliner Polizisten - mehr als 220 Männer und Frauen. Sie sollten noch vor dem G20-Gipfel am 7. und 8. Juli von weiteren Kollegen aus Berlin abgelöst werden. Insgesamt sollen tausend Polizisten aus Berlin die Kollegen in Hamburg unterstützen, aber nicht alle gleichzeitig.

In Hamburg werden für den G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in der kommenden Woche mehr als 15.000 Polizisten aus ganz Deutschland zusammengezogen. Die ersten auswärtigen Einheiten sind bereits im Einsatz.

ulz/AFP/dpa



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